Hallo ihr da draußen,
ich habe dieses Forum gestern Nacht gefunden, nachdem mich mal wieder ein Albtraum bezüglich meiner Zahnsituation geplagt hat. Habe daraufhin die ganze Nacht etwas gestöbert und mich entschlossen, mich anzumelden. Brauche Leute denen es ähnlich ergeht und die es geschafft haben.
Die mir Mut machen können, weil ich mittlerweile richtig verzweifelt bin.
Zu meiner Geschichte, die ich auch liebevoll Odyssee nenne:
Das ganze fing bei mir eigentlich schon in der Kindheit an. Ich bin bei einer Mutter aufgewachsen, die ebenfalls bis zum heutigen Tage an einer starken Zahnarztangst leidet, sich immer mal wieder für ein paar Termine aufrafft und es dann wieder abbricht. Auch ein Grund, warum sie seit 5 Jahren ein Provi hat, welches alles andere als noch richtig funktionstüchtig ist. Aber um sie soll es ja im Folgenden nicht gehen.
Nun, als Kind habe ich Zahnärzte gehasst. Die erste ZA die ich kennen lernte war grauenhaft und wurde von mir (damals 4 Jahre alt) auch direkt von einem Stofftier abgeworfen. Ich weiß gar nicht mehr, was genau so schlimm war, ich weiß nur, dass ich meinen kleinen, gelben Dino mit voller Kraft nach ihr geworfen habe. In den Finger soll ich ihr wohl auch gebissen haben, davon weiß ich allerdings nichts mehr.
Ich hatte schon als Kind sehr schlechte Zähne von Haus aus. Schoki und andere zuckerhaltige Dinge musste ich nur anschauen und konnte mich auf eine neue Füllung gefasst machen. Leider waren meine bleibenden Zähne nicht besser. Mit 8 Jahren wurde mein erster bleibender Zahn gezogen. Soweit ich mich erinnere, war es der linke Backenzahn. Die ganze Geschichte hat drei volle Termine gebraucht, da ich immer wieder vor der Eingangstür so ein Theater gemacht habe, dass meine Mutter mit mir wieder Heim gehen musste. Letzten Endes hat nur Bestechung geholfen in Form eines 80cm großen Teddys, den ich unbedingt haben wollte und für den das Geld eigentlich gar nicht über war.
Den Termin habe ich damals überstanden und gut verdrängt. Den Spaß danach allerdings nicht. Wir sind zu meinen Uhrgroßeltern gefahren (ca. 1 Std. Fahrtzeit) und dort angekommen hatte ich immer noch eine recht starke Blutung. Die Betäubung begann langsam nachzulassen und ich hatte schmerzen und habe geweint.
Das war dann auch für längere Zeit mein letzter Termin.
Weiter gings dann im Teenageralter mit der ach so tollen Zahnspange. Beim ersten KO wurde damals dann auch festgestellt, was eigentlich überhaupt in meinem Mund los ist. Ich leide an einer Erbkrankheit, die nur die Frauen unserer Familie betrifft. Uns fehlen bei einigen Zähnen die Anlagen für die bleibenden Zähne. Im Klartext: Milchzähne fallen aus, aber keine Zähne die darunter warten. Bei meiner Oma handelt es sich um 4 Zähne, bei meiner Mutter sind es sieben und mir fehlen ganze 9! Anlagen.
Von daher ging es während meiner ganzen Zahnspangenzeit auch weniger darum, dass es später kosmetisch schön sein soll, sondern eher darum, dass gewisse große Lücken zwischen den Zähnen geschlossen werden müssen um hinterher Implantate zu ermöglichen, die mir als Backenzähne eben fehlen (es handelt sich - Gott sei Dank - bei dieser Erbkrankheit nur um Backenzähne). Wichtig war auch, dass die Backenzähne im Oberkiefer stabilisiert werden, da sie noch gut und gerne weitere 7 Jahre ohne Gegenbiss auskommen mussten. Desweiteren habe ich einen Überbiss, aber nicht weil sich der Oberkiefer durchs Daumenlutschen nach vorne geschoben hat, sondern weil mein Unterkiefer sich zurück zieht. Heute ist mein Überbiss auch schon wieder stärker ausgeprägt als vor 9 Jahren, wo die Zahnspange entfernt wurde.
Meine lockere Zahnspange war auch gar nicht so schlimm.
Aber die feste war ein graus. Ich hatte mich - aufgrund von Freundinnen - auf schöne Brackets auf den Zähnen eingestellt. Pustekuchen! Brackets hatte ich nur auf den vorderen Zähnen. Ab den Schneidezähnen wurden kleine Metallringe um meine Zähne gelegt und bis hinunter zum Zahnfleisch gedrückt. Das einsetzen dieser Ringe hat höllisch weh getan und ich weiß auch bis heute nicht, warum ich so eine Spange bekommen habe. Mit diesen Ringen sah ich natürlich auch nicht gerade nach üblicher Zahnspange aus und musste das Ding verdammte 5 Jahre lang tragen. -.-
Das entfernen der Zahnspange war dann allerdings noch schmerzhafter als das Einsetzen. Ich hätte es vorher nicht für möglich gehalten. Der erste Termin, auf den ich mich gefreut hatte und dann so ein Reinfall. Beim Zahnarzt wurde dann auch noch direkt ein Termin vereinbart, da ich "angeblich" ein kleines Loch hatte.
Bei der darauf folgenden Behandlung entstand dann der Vorbote meiner heutigen Angst. Ich wurde gefragt, ob ich die Behandlung mit oder ohne Betäubung wünsche. So hart, wie ich mit meinen 16 Jahren damals war wollte ich sie natürlich ohne Spritze. So ein kleines Löchle schnell bohren und zukleistern ist ja eigentlich nicht schlimm. Tjoa, eigentlich ist es das auch nicht. Wenn man der Patientin denn vorher mitteilt, dass man noch vorhat das alte Amalgan zu entfernen und die Löcher neu zu versiegeln.
Ich bin auf diesem Stuhl 1000 Tode gestorben und habe geweint wie ein kleines Kind. Die Schmerzen waren unerträglich.
Ein Jahr später bin ich dann an meinen Implantologen geraten. Es sollte endlich daran gehen die zwei Implantate im Unterkiefer zu setzen und den Rest, bis auf zwei Backenzähne links, zu überkronen. Der Arzt war eine Wucht, was die Behandlungen allerdings nicht besser machte. Die OP hat, wie ich fand, ewig gedauert und die Gräusche waren für mich die reinste Hölle. Und damals fiel mir dann noch was auf: Ich hasse Betäubungsspritzen. Nicht weil sie unangenehm sind oder weh tun. Nein, weil ihre Wirkung bei mir binnen 5 Minuten voll einsetzt und ich auch noch die nächsten 3 Tage was davon habe. Im Schnitt braucht es mindestens 48 Std., bis das Gefühl wieder in die betroffene Region zurück kehrt.
Abgesehen davon wurde bei der OP ein Nerv erwischt und ich hatte für ein komplettes Jahr sowieso ein fast gefühlloses Kinn, welches bei Berührung ekelhaft kribbelte. Lange Zeit war auch nicht klar, ob sich der Nerv wieder erholen würde. Da hab ich dann wohl ausnahmsweise mal Glück gehabt.
Danach dachte ich eigentlich, dass ich meine Angst einigermaßen überwunden hätte, da es ja nicht mehr schlimmer kommen könnte (wobei ich die Überkronung unangenehmer empfand als die Implantatbehandlung). Kontrolluntersuchungen, ab und an mal eine Zahnreinigung, vllt mal etwas Zahnstein entfernen. Mit Links mach ich das! Denkste!
Im Dezember 2007 bekam ich eine Angst- und Panikstörung und mit ihr kehrte auch die ZA Angst wieder zurück. Noch einmal war ich danach beim Zahnarzt -> Feb. 2008 zur Zahnreinigung. Ich hab Rotz und Wasser geheult und im Anschluss noch einen Termin bekommen, wegen einem neuen Loch, das gefüllt werden musste. Den Termin habe ich nie wahr genommen.
Mittlerweile sind meine Zähne ein Graus. Meine ehmals süße Madonna-Zahnlücke klafft weiter auseinander als vorher und sieht grauenhaft aus. Die Zähne sind komplett verfärbt (5 Tassen Kaffee am Tag und Nikotin sei Dank). Zwei zähne haben definitiv mehr als nur ein *kleines* Loch. Zwischendurch hab ich immer mal wieder Zahnschmerzen. Blutiges Zahnfleisch nach dem Zähneputzen ist an der Tagesordnung und das Zahnfleisch geht im Unterkiefer langsam zurück und die Taschen bilden sich immer weiter aus. Ich tippe mittlerweile schon auf Paradontitis, die man ja in den Griff bekommen kann - wenn ich mich denn trauen würde.
Wie gesagt, ich bin nur noch verzweifelt, da mich mittlerweile schon Albträume plagen, die davon handeln, dass mir meine Zähne ausfallen und schlimmeres.
Und, sind wir mal ehrlich. Neben der Angst ist auch der Kostenfaktor mit ein Faktor der mich abhält, bzw. meine Angst verstärkt. Wenn richtig was im Argen liegt, kenne ich ja die Kosten, die auf einen zukommen können. Ich habe bis heute (bin mittlerweile 24) keinen Führerschein, weil eben die Sparkonten dafür, damals für die Zähne drauf gegangen sind.
Ich weiß, ein langer Text. Aber ich musste mir das mal von der Seele reden, weil der "normale" Mensch ohne ZA Angst kann sowas einfach nicht nachvollziehen. Ich will ja zum Zahnarzt. Aber ich hab so höllische Angst. Und jedes Jahr was ich weiterhin verstreichen lasse, lässt die Angst vor dem, was kommen könnte, noch größer werden.
Ganz lieben Gruß dalass,
daydreambeliever