Hallo!
Auch ich war mal der Meinung, dass meine Angst vor dem Zahnarzt wohl ewig bleiben würde. Aber dem ist nicht so.
War 15 jahre nicht beim ZA. Die letzte Aktion, die ein ZA bei mir machen durfte, war das Ziehen eines entzündeten Zahn (oben rechts), das war 1996 bei der Bundeswehr. Davor war ich 1 Jahr bei einem ZA, der aber kaum Einfühlungsvermögen hatteund wo man auch oft länger als 30 Minuten warten musste (trotz Termin), das kann die Angst noch steigern. Oben rechts habe ich zwei schief stehende Frontzähne. Man hat in der damaligen DDR einfach "verpasst", was dagegen zu unternehmen. Mittlerweile gehört es zu meiner Persönlichkeit, auch wenn es nicht schön aussieht.
Dann war nach der Bundeswehr für mich erstmal Sense mit ZA-besuchen. Ich hatte nicht den Mut, meinen ZA, den ich vor der Bundeswehr hatte, wieder aufzusuchen.
Irgendwann brach mir links oben ein Stück Backenzahn ab. Komischerweise hatte ich nie irgendwo im Mund Schmerzen. Der obere rechte Frontzahn (1-1, glaube ich) hatte auch eine Karies und wurde immer dunkler. Aber da ich keine Schmerzen hatte, braucht ich meiner Meinung nach euch keinen ZA. Schon das Wort "Zahnarzt" löste in mir Beklemmungsgefühle aus. Sendungen im TV, bei denen es um Zahnarzt gin, habe ich weggezappt. Meine Zunge bohrte immer öfter an den kaputten Zähnen rum.
Im Juni diesen Jahres habe ich mich dann doch getraut, nachdem ich eine ZÄ gefunden habe, die mit Hypnose arbeitet. Beim ersten Termin wurde erstmal nur geschaut (Kommentar der ZÄ: da haben wir ein gutes Stück Arbeit vor uns) und sie hat mich gefragt, wo ich gerne im Urlaub bin. Klare Antwort von mir: Norwegen mit seinen Fjorden.
Eine Woche später der erste Termin mit einer Hypnosesitzung (ohne Behandlung). Die Nacht davor habe ich kein Auge zugetan. Schon als ich dann am nächsten Tag um 11 Uhr im Wartezimmer saß, wurde eine beruhigende Musik für mich eingelegt. Diese Musik sollte mich während der Hypnose und in den späteren Sitzungen begleiten. Dann legte ich mich auf den Stuhl und die ZÄ pendelte mit dem ZA-Spiegel vor meinen Augen, ich sollte die Augen offenhalten, bis sie mir von alleine zufielen. Dann begann sie mit der Hypnose. Ich konnte trotzdem nicht ganz abschalten, merkte aber, wie ich immer ruhiger wurde. Meine Beine und Arme wurden schwer und kribbelten leicht. Es fühlte sich an, als ob ich von der Liege abhebe.
Nach etwa 50 Minuten hat sie mich wieder zurückgeholt. Mir kam es vor wie 15 Minuten. Ich war inzwischen völlig ruhig geworden. Meine Hände waren kalt und ich war erstmal etwas orientierungslos. Meine ZÄ meinte aber, dass die Hypnose bei mir recht gut angeschlagen hat. Meine Atmung war sehr langsam und gleichmässig und auch die Bewegung meiner Augen unter den geschlossenen Lidern liess darauf schliessen, dass ich beruhigt war. Diese Hypnosesitzung hat mich 150 EUR gekostet, was mich dazu bewog, es in der nächsten Sitzung ohne Hypnose, aber mit Musik zu versuchen. Danach bin ich erstmal 30 Minuten spazieren gegangen, bevor ich mich ins Auto gesetzt habe, da ich einfach "zu relaxt" war. Als ich mich vor der Hypnose auf den Stuhl gelegt habe, war ich laut Aussage der ZÄ ein kleines nervöses Häufchen Elend. Danach völlig relaxt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das auch in den "echten" Sitzungen so sein würde, da ich nicht das Gefühl hatte, dass die Hypnose was gebracht hat, da ich trotz der Hypnose irgendwie alles mitbekommen habe (während der Hypnose hat irgendjemand im Haus mit einem Schlagbohrer Löcher gebohrt, das hat die ZÄ dann aber in die Hypnose eingebaut).
Eine Woche später dann der erste Termin mit Behandlung. Ich war wieder völlig nervös, hatte aber nicht mehr die Panik wie sonst, wenn ich nur das Wort "Zahnarzt" höre. Ich wusste, dass ich eine nette ZÄ habe, die auf meine Bedenken und Wünsche eingeht.
Dann war es so weit. Ich musste nur 5 Minuten warten (das kann auch viel ausmachen: je länger man warten muss, desto nervöser wird man). meine ZÄ sagte mir, dass sie erstmal einer 2 kleinen Füllungen an den unteren rechten Eckzähnen anfängt. Sie schlug mit vor, dass ich Kopfhörer mit meiner Hypnose-Musik bekomme. Erst setzte sie mir eine Spritze, die Einstichstelle betäubte sie vorher mit einem in Betäubungsmittel getauchtes Wattepad. Die Spritze habe ich nur anhand des widerlich bitteren Geschmacks gemerkt. Aber den durfte ich dann wegspülen. Dann setzte sie mir die Kopfhörer mit meiner Hypnosemusik auf udn verliess mit der ZA-Helferin das Zimmer, damit die Spritze wirken konnte und ich die Musik geniessen konnte. Ich merkte, wie ich immer ruhiger wurde. Aber statt der suggerierten Fjorde, Wiesen und Bergseen (diese hatte sie in die Hypnose eingebaut) stellte ich mir nur einen blauen Himmel mit dahinziehenden Wolken vor. Nach etwa 5 Minuten bemerkte ich, dass die ZÄ und die Helferin wiederkamen, dann wurde auch schon der "Scheinwefer" auf meinen Mund gerichtet. Ich machte den Mund dann ohne zu zögern auf (wäre mir vorher nie in den Sinn gekommen). Die Bohrerei bekommt man trotz der Musik mit, die Geräusche werden leider nicht von der Musik übertönt, aber das geht mit dieser Hyposemusik auch nur schwer (sanfte Elektronikmusik mit Wasserplätschern und Vogelgezwitscher). Aber mich haben die Geräusche nur gestört, weil sie meine schöne Musik stören.
Ich habe durch die Musik alle Arbeitsschritte mitbekommen, aber es war mir quasi "egal", da ich keinerlei Schmerzen gespürt habe. Nach einer Weile ging das Licht aus und sie nahm mir die Kopfhörer sanft ab. Ich war erstmal wieder etwas verwirrt, da ich mir ja blauen Himmel mit ein paar dahinziehenden Wolken vorgestellt habe, draussen aber grauer Himmel mit leichtem Nieselregel war. Als ich fragte, wo der blaue Himmel sei, meinte meine ZÄ, dass die Musik bei mir wohl doch ganz gut ihre Wirkung getan hat. Ich sei auch die ganze Zeit absolut ruhig gewesen, meine Atmung war absolut ruhig. Und das nur durch die Musik. Einfach unglaublich...
Ich habe dann den nächsten Termin gemacht und ich ehrlich gesagt auch etwas auf den termin gefreut. Wenn mir das einer vor einem Jahr erzählt hätte, dass ich mich auf einen Termin fast freue, dem hätte ich eine gescheuert. Nachdem ich rauskam, musste ich erstmal wieder eine Weile spazieren gehen, damit ich wieder fahrtauglich war, so ruhig war ich.
Aber es ist schön, wenn man nach einem ZA-Besuch entspannter ist als vorher.
Mittlerweile habe ich eine Terminkarte voll (ca 20 Termine). Es wurde ein Zahn gezogen (oben links, Backenzahn), der kariöse Frontzahn wurde überkront. Etliche Füllungen wurden gemacht/erneuert. Zahnstein wurde entfernt (ohne Spritze, aber mit Musik, die ich aber aufgrund des hohen Sirrens beim Entfernen nicht gehört habe). Heute war ich das letzte Mal in diesem Jahr: es wurde eine Zahnlücke oben rechts mit einer Brücke von 1-5 bis 1-7 geschlossen. Das Abschleifen vor 2 Wochen war auch mit Spritze und Musik, ich war während der Behandlung und danach absolut entspannt. Das Entfernen der Provisorien und das Anpassen der Brücke habe ich dann ohne Betäubung machen lassen (wofür ich mir ein dickes Lob meiner ZÄ eingehandelt habe), nach 30 Minuten war ich draussen. Der nächste Termin ist wieder im Januar.
Hätte ich gewusst, wie entspannt man beim Zahnarzt sein kann und wie schmerzfrei die Behandlung sein kann: ich hätte nicht erst 15 jahre gewartet. Auch dass man mit Musik beim ZA zu schön abschalten kann, hätte ich nicht für möglich gehalten. Komischerweise erinnert man sich nach der Behandlung nicht mehr daran, wie die Musik ging. Wichtig ist auch, dass die ZÄ auf meine Wünsche eingeht. Wir machen vor jeder Behandlung aus Spaß eine kleine Checkliste:
Vorbetäubung vor der Spritze -> erledigt
Betäubungsspritze -> erledigt
Musik -> erledigt
Dann geht die Behandlung nach einigen Minuten los und nach einer mehr oder weniger langen Zeit muss ich mich auch schon von meiner Musik trennen.
Ich jedenfalls bin froh, dass ich eine so nette und einfühlsame ZÄ gefunden habe und habe seit dem ersten Termin nur 2 Termine abgesagt: bei einem kam mir eine dienstlicher Termin dazwischen, beim zweiten hatte ich mir einen Magen-Darm-Virus eingefangen, damit muss man sich ja nicht unbedingt auf den ZA-Stuhl legen.
Wer also Angst vor dem ZA hat: sucht euch einen ZA, der mit Entspannungsmusik und/oder Hypnose arbeitet. Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass ich nicht so richtig auf die Hypnose angesprochen habe, aber warum bin ich dann so unglaublich entspannt, sobald ich auf dem Zahnarztstuhl sitze und meine Musik höre? Auch meine Arme und Beine werden bei längeren Behandlungen schwer und es stellt sich wieder das "Schwebegefühl" ein. Ich denke mal, die 150 Euro für die erste und einzige Hypnosesitzung waren gut angelegtes Geld.
Ich habe auch absolut keine Angst mehr vor den Terminen, lediglich noch eine leichte Nervosität.
Zahnärzte, die mit Hypnose artbeiten, findet man unter anderem
bei der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose.
So, das war mal mein Bericht, wie ich mich von einem "Schisser" zu einem fast normalen Zahnarzt-Patienten entwickelt habe. Meine ZÄ meinte, es dauert nicht mehr lange, dann höre ich von ihr die Worte "Dann sehen wir uns in einem halben Jahr zur Kontrolle". Ich freue mich auf diesen Tag...
7 Monate (und um bisher 1200 Euro ärmer, für Hypnose, Krone und Brücke) nach meinem ersten Termin habe ich das erste Mal von meinem Zahnarzterlebnis berichtet. Es tat einfach nur gut.
Mein Fazit: mit dem richtigen Zahnarzt ist eine Angst vor dem ZA nicht nötig. Mich ärgern nur die Kosten, aber das habe ich mir selber zuzuschreiben...
(verlinkung gemäß forenregeln entfernt
, dafür abkürzung ausgeschrieben - elc)
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »elc« (22. Dezember 2011, 02:35)