Mittwoch, 23. Mai 2012, 19:47 UTC+2

Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden
  • Registrieren

raffzahn

unregistriert

1

Donnerstag, 4. August 2005, 22:45

Wie die Scham überwinden?

Hallo
Bin glücklicherweise bei der Suche nach „Leidensgenossen“ fündig geworden, und habe dieses Forum entdeckt.
Es tröstet mich schonmal enorm das ich offenbar nicht der einzige Betroffene bin – es kommt einem halt manchmal so vor.

Mein Problem ist das ich wirklich ein katastrophales „Restgebiss“ habe. Einige Zähne wurden mir vor Jahren gezogen, andere haben einfach keine Substanz mehr, sind am „zerfallen“.

Dazu kommen natürlich hin und wieder Höllenqualen durch die Schmerzen.

Mein letzter Zahnarztbesuch liegt jetzt 2 Jahre zurück, aber das war nur wegen eines akuten Notfalls. Das letzte Mal richtig was gemacht wurde 1996.
Damals hatte ich meine Zahnarztangst durch eine sehr gute Zahnärztin einigemaßen im Griff. Doch die ist damals völlig unerwartet verstorben, und danach konnte ich mich nicht aufraffen mich wieder auf die Suche einzulassen.

Jetzt sitze ich da, mit einer Ruine im Mund, und schäme mich einfach nur. Ich bin eigentlich ein sehr kommunikativer Mensch, und sehe an und für sich auch durchaus ansehnlich aus. Doch dieses Gebiss macht mein Leben einfach unerträglich.

Ich weiß nicht was größer ist. Die Angst vorm Zahnarzt, oder die Scham.

Wie überwindet man diese Scham? Wie findet man einen Zahnarzt der einen dafür nicht „verurteilt“, bzw. einem nicht das Gefühl gibt ein „Schwein“ zu sein?
  • Zum Seitenanfang

siebi

unregistriert

2

Freitag, 5. August 2005, 01:49

Hallo raffzahn, ich verstehe dich sehr gut. Es geht mir ähnlich wie dir und ich bin in einem redenden Beruf. Suche doch mal in der ZA-Liste, ob du den Arzt da findest. Ich bin gerade auch dabei und warte derzeit auf Antwort.
Ganz liebe Grüße siebi
  • Zum Seitenanfang

Leuchtkeks

unregistriert

3

Freitag, 5. August 2005, 01:55

Hi,

kommt mir bekannt vor. 20 Jahre Lebensfreude hat's mich gekostet, und am Ende wars eigentlich ganz einfach:

Du hast freie Zahnarztwahl. Mach zunächst einen Beratungstermin zur Bestandsaufnahme. Wirst Du dabei, wenn als Phobiker angemeldet, blöd angekuckt oder fällt gar ein dummer Spruch (was äusserst unwarscheinlich ist), drehste Dich auf dem Absatz und gehst zum nächsten. So einfach ist das.

Zahnärzte sind Dienstleister. Sie leben von uns. Würdest Du freiwillig einen potentiellen Kunden durch abfällige Kommentare vergraulen? ;)

LK
  • Zum Seitenanfang

Diamant

unregistriert

4

Freitag, 5. August 2005, 02:07

RE: Wie die Scham überwinden?

hallo Raffzahn,

am Schlimmsten ist es wohl, dass man die eigene Scham überwindet und einem ZA die Zähne zeigt.

Du wirst sehen, wenn du diesen ersten Schritt hinter dir hast und weißt, woran du bist, geht alles wesentlich leichter. Vorher denkt man immer, dass es niemals bei Anderen ähnlich schlimm aussehen hätte können, und man baut sich die furchtbarsten Szenarien auf.

Mach es doch so wie viele hier - schau dich in der Liste um, verschicke Mails und warte erstmal auf Antwort. Ganz sicher siehst du für dich alles schwarz in grau und bist letztendlich für den ZA ein ganz normaler Patient, der dir auf deinem Weg zu einem breiten Grinsen gerne behilflich sein wird.

Mutmachende Grüße und toi, toi, toi ....
Diamant
  • Zum Seitenanfang

Lili

Erfahrungspunkte:

Beiträge: 1 096

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Bayern

5

Freitag, 5. August 2005, 06:23

Hallo Raffzahn,

....hübscher Name übrigens.....

Siehs doch mal so: Je schlimmer dein "Esszimmer" aussieht, desto lukrativer bist du als "Kunde" für einen ZA. Und der Kunde ist doch "König" - (auch in Deutschland wird das langsam schon bekannt). Außerdem gibt es genügend Zahnärzte, die einfach "Menschen" sind und ihren Beruf gewählt haben um anderen Menschen zu helfen!

Ich wünsche dir sehr, dass du balmöglichst so einen "Menschen" findest (so wie ich einen gefunden habe) und damit zu schönen und vor allem gesunden, schmerzfreien Zähnen kommst!


LG
Lili
Ich weiß nicht, ob es besser wird wenn es anders wird.
Ich weiß nur, daß es anders werden muß, wenn es besser werden soll.
3 Implantate, 8 WB's, 19 neue Kronen -überstanden
  • Zum Seitenanfang

Snowflake

Erfahrungspunkte:

Beiträge: 561

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Berlin

6

Freitag, 5. August 2005, 07:36

siehe PN :]



LG Snowflake
Ängstliche können ihrem Leben nicht viel abgewinnen, da sie ihre ganze Kraft darauf verwenden müssen es nicht zu verlieren.
  • Zum Seitenanfang

pesa

unregistriert

7

Freitag, 5. August 2005, 11:09

RE: Wie die Scham überwinden?

;( Oh wie kommt mir das alles sehr bekannt vor. Ich denke fast sogar, das die Scham noch grösser ist. Aber du kannst es schaffen. Versuche doch mal per Mail einen ZA anzuschreiben. Möglichst einen aus der Liste. Die kennen uns Angsthasen. Ich habe in deinem Zustand das so gemacht. Schreibe von vornherrein alles offen rein. Auch den schlechte Zustand deiner Zähne. Du hast doch nichts mehr zu verlieren. Das erstemal zum ZA nach 20 Jahren war schwer und dann auch noch den Mund aufmachen. Aber es hat geklappt. Keine Bemerkungen nichts. Nur Zuspruch und Lob und Hilfe. So ist die Scham jetzt schon weniger, die Angst noch nicht und es muss sehr sehr viel gemacht werden. Ich fühle mich aber trotzdem besser als noch vor paar Monaten weil ich endlich dazu stehe und auch mit meinem Partner gesprochen habe. Mit Hilfe aus diesem Forum schaffst du das. :] Gruß Petra
  • Zum Seitenanfang

raffzahn

unregistriert

8

Freitag, 5. August 2005, 23:53

Also erstmal danke für eure Antworten!

Es wäre schön wenn dem ganzen mit Logik beizukommen wäre: „Lieber einmal das Risiko einer Blamage beim ZA, als die ganze Zeit den Mund zu zu lassen...“ – und vielleicht komme ich auch irgendwann an diesen Punkt an dem ich so denke.

Im Moment bin ich da leider noch nicht. Es ist schon hart das so zugeben zu müssen.
Das schlimme ist ja das ich keineswegs ein Mensch bin der ungepflegt daherkommt, aber ich denke vielen hier geht es so das einfach der Punkt überschritten ist an dem die Pflege einem den ZA-Besuch erspart.
Ich kann ein Werkzeug noch so sehr pflegen, wenn es ständig in Gebrauch ist (wie mein Kauwerkeug) gibt es Verschleiss.

Ich komme mir ein bisschen vor wie das Kind das sich Mami und Papi nicht zu sagen traut das es Mist gebaut hat, und sich sonstwas für Folgen ausmalt!

Aber allein hier auf Menschen zu treffen die ebenso leiden, und andere die es überwunden oder unter Kontrolle haben ist doch schon eine enorme Hilfe.
  • Zum Seitenanfang

zoe

Erfahrungspunkte:

Beiträge: 2 325

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Bayern

9

Samstag, 6. August 2005, 00:11

Hallo raffzahn,
irgendwann ist da dieser "Point of no return" und man steht vor der Praxis und weiß, dass man gleich selber über einen immens großen Schatten springen wird, aber man ist sich auch bewußt, dass man es für sich selber tut. Du schreibst, dass du schon einmal der Angst einen Schlag versetzt hast und du dich bei einer ZÄ gut aufgehoben gefühlt hast. Wie war das damals für dich gewesen?

Du hattest da doch sicherlich auch eine bestimmte Schamgrenze, die du einfach aus diversen Gründen überschritten hast. Es kann heute genauso wieder sein ... Die ZÄ werden durchaus öfters mit Angstpatienten konfrontiert und auch mit denen, die aus irgendwelchen anderen Gründen, den ZA bisher nur spärliche Besuche abgestattet haben.

Ich kann verstehen, dass dies für dich eine immens große Hürde ist .. war es für mich auch gewesen. Aber mir war auch bewußt, dass ich eben nur mit Überschreitung dieser Grenze einen Weg aus meinem Dilemma finden konnte ...

Man muss sich wegen der Angst und den Folgen dieser, nicht schämen, auch wenn das in unseren Köpfen nicht so fest verankert ist. Für die Angst können wir nichts, in vielen Fällen ist diese uns von anderen Menschen zugefügt worden. Und jeder, der sich einmal mit Angst beschäftigt hat, weiß, wie die Mechanismen dieser funktionieren.

Ich drücke dir die Daumen, dass du auch diesen Schatten überspringen kannst und damit für deine Lebensqualität einen immens großen Fortschritt unternehmen kannst.

Liebe Grüße von zoe
Liebe Grüße von *** zoe ***

Nicht das, was wir nicht wissen, bringt uns zu Fall, sondern das, was wir fälschlicherweise zu wissen glauben. (Mark Twain)
  • Zum Seitenanfang

Leuchtkeks

unregistriert

10

Samstag, 6. August 2005, 00:26

Zitat

Original von raffzahn
Es wäre schön wenn dem ganzen mit Logik beizukommen wäre

Für mich wars der einzige (und gut funktionierende) Ausweg:

a) macht mein Leben noch Spass
b) bin ich noch der alte
c) wirds von alleine besser
d) gefallen mir die Schmerzen
e) was habe ich schon verloren
f) was werde ich noch verlieren
g) will ich, dass es aufhört?
h) bis hier hin und nicht weiter

Die Schamgeschichte ist nach der Beratung völlig nebensächlich. Glaubs mir. Denn Du hast ein Ziel: RAUS aus dem Sog und wieder rein ins Leben. Das zählt. Scham zeugt von Stolz, und Stolz hat auf der Welt genug unangemessenes Übel angerichtet.

Und noch ein Tipp: ich projeziere mein zerstörtes Esszimmer nicht mehr auf mein Ganzes.

[Nachtrag]

Mir wird grad nochwas klar. Die Praxis ist der einzige Ort, an dem ich den Mund weit aufmachen kann, ohne mich zu schämen. Würde ich nirgendwo sonst tun.

LK

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Leuchtkeks« (6. August 2005, 00:41)

  • Zum Seitenanfang

Tantra des Wartens

unregistriert

11

Sonntag, 7. August 2005, 19:24

RE: Wie die Scham überwinden?

Zitat

Original von raffzahn
Hallo
Bin glücklicherweise bei der Suche nach „Leidensgenossen“ fündig geworden, und habe dieses Forum entdeckt.
Es tröstet mich schonmal enorm das ich offenbar nicht der einzige Betroffene bin – es kommt einem halt manchmal so vor.

Mein Problem ist das ich wirklich ein katastrophales „Restgebiss“ habe. Einige Zähne wurden mir vor Jahren gezogen, andere haben einfach keine Substanz mehr, sind am „zerfallen“.

Dazu kommen natürlich hin und wieder Höllenqualen durch die Schmerzen.

Mein letzter Zahnarztbesuch liegt jetzt 2 Jahre zurück, aber das war nur wegen eines akuten Notfalls. Das letzte Mal richtig was gemacht wurde 1996.
Damals hatte ich meine Zahnarztangst durch eine sehr gute Zahnärztin einigemaßen im Griff. Doch die ist damals völlig unerwartet verstorben, und danach konnte ich mich nicht aufraffen mich wieder auf die Suche einzulassen.

Jetzt sitze ich da, mit einer Ruine im Mund, und schäme mich einfach nur. Ich bin eigentlich ein sehr kommunikativer Mensch, und sehe an und für sich auch durchaus ansehnlich aus. Doch dieses Gebiss macht mein Leben einfach unerträglich.

Ich weiß nicht was größer ist. Die Angst vorm Zahnarzt, oder die Scham.

Wie überwindet man diese Scham? Wie findet man einen Zahnarzt der einen dafür nicht „verurteilt“, bzw. einem nicht das Gefühl gibt ein „Schwein“ zu sein?

Hallo,

Geh doch einfach in die Uniklinik, die machen bestimmt keine dummen Sprüche. ;)

Mach Dich mit der Scham nicht verrückt, die Zahnärzte erleben so etwas normalerweise jeden Tag.

Und wenn einer einen dummen Spruch macht oder unsensibel erscheint, dann gleich raus und den nächsten nehmen, da kann ich nur beipflichten. ;)
  • Zum Seitenanfang

Snowflake

Erfahrungspunkte:

Beiträge: 561

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Berlin

12

Sonntag, 7. August 2005, 19:29

@Tantra

zum Thema Behandlung an Unikliniken gabs schon mal eine sehr interessante Diskussion die Du hier findest. Ich würde abwägen jemandem zu raten sich dort behandeln zu lassen.

Hat alles seine Vor- und Nachteile ;)

LG Snowflake
Ängstliche können ihrem Leben nicht viel abgewinnen, da sie ihre ganze Kraft darauf verwenden müssen es nicht zu verlieren.
  • Zum Seitenanfang

Tantra des Wartens

unregistriert

13

Sonntag, 7. August 2005, 19:43

Zitat

Original von Snowflake
@Tantra

zum Thema Behandlung an Unikliniken gabs schon mal eine sehr interessante Diskussion die Du hier findest. Ich würde abwägen jemandem zu raten sich dort behandeln zu lassen.

Hat alles seine Vor- und Nachteile ;)

LG Snowflake

Entschuldigung, ich habe vergessen, daß die Menschen ja verschieden sind, und ich besser nur von meinen Erfahrungen spreche, so kann ich auch nicht anecken. ;)

Ich persönlich habe nur gute Erfahrungen in unserer Uniklinik in H. gemacht. ;)

Es liegt mir auch eher, als von Praxis zu Praxis zu latschen und vor allem kann ich es nicht haben, wenn die niedergelassenen Ärzte keine Zeit haben, zwei Wartezimmer und von einem Wartezimmer ins andere hetzen. 8o :(

Evtl. noch eine unfreundliche Helferin an der Rezeption, wie bei meiner bisherigen Zahnärztin, dann bin ich schon bedient, auch wenn die Zahnärztin selber sehr gut und nett ist.

Aber unter Zeitdruck leidet Sie auch, das ist nicht zu übersehen.

Der Kollege von Ihr, hat mir mal einen Zahn rausgenommen und den Helferinnen gleich gesagt, daß sie alle anderen Patienten wieder nach Hause schicken und ihnen einen neuen Termin geben sollen. :D

Das fand ich natürlich gut, aber dafür macht er auch manchmal blöde Sprüche und faselt viel von aufwendigem Zahnersatz. X(

Das alles gibt es bei uns in der Uniklinik nicht. ;)

Aber jeder Mensch ist halt anders, und ich wollte nur helfen. ;)

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Tantra des Wartens« (7. August 2005, 19:57)

  • Zum Seitenanfang

Tantra des Wartens

unregistriert

14

Sonntag, 7. August 2005, 19:47

Zitat

Original von Leuchtkeks
Hi,

kommt mir bekannt vor. 20 Jahre Lebensfreude hat's mich gekostet, und am Ende wars eigentlich ganz einfach:

Du hast freie Zahnarztwahl. Mach zunächst einen Beratungstermin zur Bestandsaufnahme. Wirst Du dabei, wenn als Phobiker angemeldet, blöd angekuckt oder fällt gar ein dummer Spruch (was äusserst unwarscheinlich ist), drehste Dich auf dem Absatz und gehst zum nächsten. So einfach ist das.

Zahnärzte sind Dienstleister. Sie leben von uns. Würdest Du freiwillig einen potentiellen Kunden durch abfällige Kommentare vergraulen? ;)

LK

Da kann ich nur zustimmen. ;)
  • Zum Seitenanfang

rainbowms

unregistriert

15

Dienstag, 9. August 2005, 12:55

Hallo Raffzahn!

Nachdem ich mich nun für ein paar Wochen den Themen Arbeit und ZA-Angst zwecks Erholung entzogen habe, bin ich wieder da und möchte auch wieder meinen Senf dazu beitragen:

Aus meiner Erfahrung (ich weiß natürlich nicht, wie das bei den anderen ist) hat man selbst eine ziemlich subjektive Sicht auf das Aussehen seiner Zähne. Ich habe mich auch geschämt für den Zustand meiner Zähne und hab mir das Schlimmste vorgestellt. Nachdem ich es aber geschafft habe, den ZA mal nachschauen zu lassen, musste ich feststellen, das das alles lange nicht so schlimm ist und aussieht, wie ich es dachte und alles wieder "schön" gemacht werden kann.

Auch wenn ich noch nicht weis, wie lange es dauern wird, bis alles perfekt ist, war es eine enorme Erleichterung im Vergleich zu meinem anfänglichen Selbstbild und hat mir Mut gemacht.

LG
Marion
  • Zum Seitenanfang