Hallo Ihr Lieben,
ich wollte Euch doch noch schnell wissen lassen, das es nun einen Überlebenden einer WSR mehr gibt 8). Wenn auch mit Hindernissen, weil ich fast nicht gegangen wäre
Im Internet hatte ich ja eine (zugegeben wirklich interessante) Vorlesungsmitschrift zum Thema WSR gefunden (6. Semester, und den Eindruck dabei mindestens vier zu überspringen).
Mit tollen Zeichnungen wie man die Schnitte ansetzt. Engelchen, der verhinderte Chirurg, war völlig begeistert von den verschiedenen Techniken, während Teufelchen nicht genug von den Komplikationen kriegen konnte. Also beste Familienunterhaltung.
Wer allerdings eine Weile seine Zeit mit einer behuften Nervensäge verbringt, die mit kindlicher Unbefangenheit Fragen wie „Was kann gleich noch mal passieren, wenn der Nerv im Weg ist?“ aus dem Ärmel schüttelt, kann die Idylle nicht wirklich schätzen.
Vor allem nicht, wenn auch das Antibiotikum teil der Verschwörung zu sein scheint. Das dankte mir eine mustergültige Einnahme nicht nur mit drei Mahlzeiten am Tag, an denen ich kein wirkliches Interesse hatte, sondern vor allem mit absoluter Wirkungslosigkeit.
„Wie groß muß die Entzündung an einem Zahn sein, damit die Betäubung nicht wirkt? So ein dicker Knubbel wie bei Dir?“ Teufelchen hatte das Dilemma natürlich wieder vor allen anderen bemerkt.
Gehässig, aber leider wahr, das es Schlimmer, anstatt Besser wurde.
Obwohl: So schlimm, das man den Zahn nicht nur nicht betäuben, sondern auch nicht wurzelresektieren kann? Engelchen hatte mir geraten, immer zuerst nach dem Positiven zu suchen und das roch nach knappem Entkommen.
Sollte ich den ZA selber zu diesem unwiderlegbaren Schluss kommen lassen, oder den Termin vorsorglich direkt absagen? Ich erkenne einen Hoffnungsschimmer, wenn ich ihn sehe.
Es sei denn Teufelchen steht mir in der Sonne indem er meiner Meinung ist. Eine WSR würde das nicht mehr werden, DER Zahn musste raus lautete seine Diagnose. Damit war der Hoffnungsschimmer zu einem Wetterleuchten geworden, was die Waage allerdings nur zu Gunsten der Terminabsage ausschlagen ließ.
„Nein, der Zahn muß nicht gezogen werden und die Betäubung wirkt einwandfrei!“ Bühne frei für Don Engelchen bereit zum Kampf gegen Windmühlen. Hatte sie sich die Stelle mal angesehen?
Hatte sie und blieb dabei. Teufelchen bei seiner Ansicht allerdings auch.
Eine Weile „Doch – Nein“ Ping Pong später, standen sich beide Kontrahenten Nase an Nase gegenüber, mit explodierten Korkenzieherlocken der eine und Ohren denen Schwefeldämpfe entwichen der andere.
„Wer bist Du? Die Zahnfee oder was?“ Gelegentlich habe ich Angst, wenn Engelchen in dieser Stimmung ist.
„Seh ich aus wie jemand der ein Tutu trägt?“ Jetzt war Teufelchen wirklich echauffiert.
„Nein, aber ich.“ Siegesgewisses Grinsen und Sieg nach Punkten für Engelchen.
Kurzfristige Erleichterung, weil schließlich derjenige Recht hat, der ein Tutu trägt? Für mich allerdings immer noch eine reichlich magere Versicherung, das der Zahn nicht gezogen werden würde.
Bis Teufelchen mit „Dann sollte ich mir wohl auch eins kaufen!“ auftrumpfte.
Das saß. Ich weiß nicht, ob Engelchen oder ich überraschter waren. Männliche Sturheit oder war er sich seiner Sache wirklich so sicher?
Sicher war zu diesem Zeitpunkt nur, dass ich mich keinen Meter Richtung ZA bewegen würde. Zu riskant.
Aber der Fehdehandschuh war geworfen und die Wette abgeschlossen, das demjenigen das Tutu gehören würde, der Recht behalten sollte.
Und nachdem man mein wertes Befinden zu diesem Zeitpunkt schon eine Weile aus den Augen verloren hatte, wartete man sehnsüchtig auf den Termin. Wer außer einem ZA konnte das Duell sonst entscheiden?
Und da stand ich dann zwei streitbaren Geschwistern gegenüber, deren einziges und erklärtes Ziel es war, mich in die Praxis zu bugsieren, immerhin ging es hier um eine Wette.
Teufelchen legte das Internet lahm und gab den Tagen vorher so viel Tempo um jeden Gedanken an den kommenden Termin abzuhängen. Und wenn ich auch nur kurz dazu kam Luft zu holen und an Montagmorgen dachte? Hatte die Praxis längst wieder geschlossen und die Putte stand bereit, tätschelte mir milde lächelnd mit einem „Ich kümmere mich schon darum“ die Schulter, um mir ein ganz anderes Problem vor die Gehirnwindungen zu schieben.
Nun ist Teufelchen nicht herzlos und gelegentlich wirklich bemüht mich aufzuheitern. Schon die Geschichte gehört wie unschön Entzündungen sein können? Seine Form der Motivation.
Alles zusammen zumindest ein Garant dafür, das ich es bis in die Praxis geschafft habe. Wenn auch zusammen mit Angst (im Kängurubeutel hockend in der ersten Reihe) und völlig planlos, weil einfach zuviel passiert war die vergangenen Tage.