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Tom1972

unregistriert

1

Montag, 21. November 2005, 04:48

Zahnbehandlung in der DDR

Hallöchen,

ich lese schon seit einiger Zeit dieses Forum und bin einerseits erschrocken und andererseits auch froh, dass ich nicht die Einzige war die Leiden musste.

Ich war vier Jahre, als mich meine Mutter zum ersten und auch letzten mal zum Zahnarzt begleitete. Ab da an, war ich was diesen Teil meiner Kindheit anging ganz auf mich allein gestellt. Meine oberen und unteren Frontzähne waren schon schwarz, als ich sie bekam. Nach und nach brachen diese auch alle ab. Mit vier Jahren musste ich dann zur ersten Kontrolle beim Zahnarzt. Dort wurde nur gesagt, dass ich die Ruinen als Platzhalter behalten müsste, bis ich meine bleibenden Zähne bekomme und an diesem Tag bekam ich auch schon meine erste Plombe verpasst, da sich in einem meiner Backenzähne ein mini Loch befand. Dann waren wir auch nicht wieder bei dieser Tante mit der komischen Maske.

Bevor ich in die Schule kam, ich war gerade sieben Jahre alt, musste ich mit all den anderen Vorschulkindern in einer Gruppe des Kindergartens zum ZA. Soweit so gut, ich hatte ja beim ersten Besuch nichts gemerkt und ging auch ganz unbekümmert hin. Doch es wurde der erste Besuch den ich mit Schmerzen verband. Um aber nicht wie eine Memme da zu stehen, habe ich keinen Ton von mir gegeben, als man mir zwei bleibende Zähne aufbohrte und wieder flott machte. Ich hatte schon immer schlechte Zähne und das ist auch mein Problem!!! Okay, ich war halt ein Kind und dachte mir nichts weiter, da auch die Einschulung ins Haus stand.

Die ersten Wochen der Schule vergingen und da war Sie wieder die "JugendZahnärztin" - hmmm..., dachte ich schon wieder, aber ich hoffte halt, das alles okay sei. Aber ich bekam einen Behandlungszettel. Da war mir schon sehr mulmig, da ich ja schon einmal erfahren durfte, dass es sehr weh tut, wenn gebohrt wird. Ich hatte diesen Zettel auch schon wieder vergessen, da kam einige Wochen später eine Hortnerin in unsere Klasse und zählte Namen auf und meiner war natürlich auch dabei. Zuletzt sagte Sie, die aufgezählten Kinder ziehen sich jetzt an, wir gehen zum ZA. Ich bekam richtige Angst und mir zitterten auch die Knieen, da mein Name im Alphabet ziemlich weit unten stand, kam ich auch als Vorletzte dran. Ganze zwei Stunden musste ich mir die Schreie meiner Mitschüler/innen anhören. Viele haben so laut geschrien, dass ich mir fast in die Hose gepinkelt hätte vor Angst. Dann kam ich dran, ich sollte den Mund auf machen und dann sagte Sie nur, na die Platzhalter brauchst Du ja nun nicht mehr, die können raus! Zwei sind in der Zeit von ganz allein raus gefallen, weil da die beiden großen Schneidezähne schon draußen waren, aber vier Zähne wurden an diesem Tag gezogen oder heraus gehebelt. Man hat mir auch ein Betäubungsmittel auf das Zahnfleisch gesprüht und nach einiger Zeit angefangen die Stummel zu entfernen. Dass ich meinen Mund nicht schloss, bekam ich soetwas wie einen Holzkeil eingeschoben. Naja, die Betäubung "reichte" für den ersten Stummel und auch noch etwas lindernd beim zweiten und bei den anderen beiden musste ich mir anhören, Du musst doch nicht so schreien, es ist doch alles betäubt. Tolle Wurst - alles betäubt - ich konnte durch den Keil nicht sprechen und somit auch nichts sagen zu dem habe ich dann verständlicherweise angefangen zu treten und wurde dann auch noch an Händen und Beinen festgeschnallt. Eine Schwester hielt meinen Kopf fest und die ZÄ setzte Ihren Plan fort. Als sie fertig waren, meinten sie noch "du warst aber tapfer" - na toll, dafür konnte ich mir auch nichts kaufen und wehren konnte ich mich schon gar nicht. Naja ich hatte das Ganze hinter mir und bekam dann von der ZÄ noch einen roten Zettel für meine Eltern, dass ich in einem halben Jahr wieder zur Kontrolle kommen sollte. Diesen habe ich dann natürlich nur zufällig verloren. :zettel:

Ein Jahr ist lang und ich ging bereits schon in die zweite Klasse, als es wieder hieß die ZÄ ist in der Schule, stellt euch in einer zweier Reihe an und wir gehen ins Lehrerzimmer. Ja, da fiel mir doch glatt der rote Zettel wieder ein. Ich musste natürlich auch zu dieser ZÄ um feststellen zu lassen, was meinen Zähnen fehlte und es fehlte gleich zwei Zähnen etwas. Schwupps bekam ich auch schon wieder einen weißen Zettel. Ich wusste, dass die mich wieder dahin schleifen und wurde zufällig an diesem Tag krank. Aber es nutzte nichts, als ich wieder zur Schule kam, wurde ich wieder aus dem Unterricht geholt und musste nun mit einer älteren Klasse zum gemeinsamen Quälen. Ich wusste ja bereits, dass ich schon wieder zwei Löcher hatte und hatte auch dem entsprechend Angst. Weil ich diesmal aber die Jüngste war, war ich auch die erste. Kaum saß ich auf diesem Stuhl, da haben die mich auch schon wieder an Händen und Füßen angeschnallt. Das fing echt gut an. :( Ich wollte diesmal meinen Mund nicht auf machen und da wurde halt getestet wie lange ich die Luft anhalten kann. Schließlich machte ich den Mund zum atmen auf und hatte auch gleich soetwas wie eine Mundsperre bekommen. Ich bemerkte nur, dass diesen Ding einrastete und mein Kiefer anfing weh zu tun. Bevor die Folter mit dem doch so neuen Wasserbohrer anfing, wurde mir gesagt, du hast uns ja keine andere wahl gelassen. Dieser neue Bohrer war durch das Wasser noch schlimmer. Auch diesesmal gab ich keinen Ton von mir, weil ich mich ja nicht vor den Großen blamieren wollte. So konnte diese "gute" Frau auch diesesmal herzhaft rumbohren.

In der dritten Klasse war ich zum Zeitpunkt der Schul-Kontrolle krank, was mich aber nicht verschonen sollte. Denn ich hatte keine Ahnung, dass die Frau schon wieder da war und wurde wieder mit der ganzen Klasse zum ZA gebracht. Und wieder das gleiche Spiel. Ich war die Vorletzte, habe zwei Stunden das Bohren und einigemale auch Schreie hören dürfen und musste dann selber wieder in die Höhle des Löwen. Man meinte, dass man nachsehen müsse und dann die eventuell kariösen Stellen behandeln müsse. Okay, ich machte den Mund freiwillig auf, denn ich war ja nun schon ein Jahr älter, ich dachte nur, da kann ja nicht schon wieder was sein, doch in dem Moment steckte die Spitze dieses Kratzer in einem sehr gemeinen Loch meines Zahnes und mich durchzog ein Ziehen, was dieser netten Dame auch nicht entging. Somit wurde ich wieder angeschnallt und wurde gefragt, ob ich denn heute den Mund freiwillig aufmachen würde. Ich meinte noch, klar ich bin doch jetzt schon größer und dann fing sie an zu bohren. Aber um so näher der Nerv kam umso mehr tat es weh und ich habe einfach in dem Moment nur noch zu gebissen. Dass hätte ich lieber nicht machen sollen, denn ab da an war Schluss mit Lustig! Ich bekam auch gleich wieder diese Art Kiefersperre verpasst und die Schwester hat wieder meinen Kopf festgehalten und es wurde ohne Rücksicht auf Verluste auf dem Nerv des Zahnes herum gebohrt. Ich konnte mich nicht wehren und fing wieder an zu schreien, so gut es ging, denn zwischendurch habe ich immer dieses Wasser schlucken müssen.

In der vierten Klasse bekam ich zum erstenmal ein "saniert" zu hören und musste nicht in die Höhle des Löwen.

Dafür aber wieder in der fünften Klasse. Auch hier wurden wir von einer Erzieherin zum ZA gebracht und mir wurden wieder zwei Zähne, natürlich ohne Betäubung saniert. Um so älter man wird, um so schlimmer wird dass Ganze ja. Danach konnte ich mich Jahre erfolgreich drücken.

In der neunten Klasse bemerkte ich ein Loch in meinem rechten Schneidezahn und so lange nichts weh tat, ging ich auch nicht zum ZA. doch eines Morgens, als ich zur Schule gehen wollte, brach doch beim Zähne putzen der schützende Deckel zum Nerv ab und ich konnte kaum ohne Schmerzen atmen. Ich stopfte mir Watte in das Loch und ging dann zur Schmerzsprechstunde. Ich hatte höllische Angst und das volle Wartezimmer und vor allem die Schreie aus dem Behandlungszimmer machten die Sache nicht einfacher. Weil aber alle Erwachsenen nur auf mein Wohl bedacht waren und ich auch in der Schule viel lernen sollten schoben sie mich vors Loch um noch einige Zeit verschont zu bleiben. Doch an diesem Tag wurde nur ein Nerv tötendes Mittel in den Zahn gemacht und er wurde verschlossen. Dann sollte ich einige Wochen wieder kommen. Da man mir erzählte, das dieses Zeug auf Dauer giftig sei, garantierte man sich damit auch mein Wiederkommen. Einige Zeit später und etwas unbekümmert, da ja der Nerv abgetötet sein sollte, begab ich mich wieder auf den Stuhl. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass so ein Nerv nicht ganz abgetötet wird, wäre ich sicher nicht wieder hin gegangen. Ich machte bereitwillig den Mund auf und dann fing der ZA an zu bohren und anfangs war auch kaum was zu spüren, doch plötzlich muss der einen anderen Kanal erwischt haben und ich bin fast den Heldentod gestorben. da hat der Gute doch wirklich den Nerv ohne Betäubung entfernt, heraus gebohrt und ist dann auch noch mit so Nadeln hinterher und hat darin herum gestochert. Und schon wieder war klar, wer mich sicher nie wieder sehen sollte. Doch wie der Zufall es wollte, brach mir ein Backenzahn ab und ich musste wieder hin, da ich jedesmal mir der Zunge an den Nerv heran kam. Und wie in der DDR üblich gab es nur diese Zahnarzt-Gemeinschaftspraxis und ich kam wieder an den selben Herrn. Aber bei diesem Zahn war nichts mehr zu machen, er wurde gezogen. Ich war jedoch endlich erlöst und die Schmerzen waren auch ohne Bohren weg.

Danach war ich bis 1998 nur noch sporadisch beim Zahnarzt, wenn wirklich etwas nicht mit Schmerztabletten und Antibiotika weg zu machen ging. U.a. auch einmal bei unserer Abschlussfahrt nach Moskau. Mir musste natürlich gleich zu Beginn unserer Klassenfahrt die Wange anschwellen und mein Lehrer ließ auch nicht mit sich reden und fuhr mit mir zum Zahnarzt. Ich hatte voll den Schiss und verstanden habe ich auch nichts und als ich in den Raum kam, bekam ich erst einmal einen Kulturschock. Es standen 10 Behandlungsstühle in diesem Raum und ich bekam den letzten freien zu gewiesen. Mein Lehrer wartete so lange, bis ich dran war und übersetzte was gesagt wurde, denn ich verstand nur Bahnhof. Den Methoden, die bei den anderen Leuten angewendet wurden zu Folge konnte ich mich gleich erschießen. Ich konnte zusehen, wie den Leuten die Zähne gemacht wurden. Es war wirklich eine Begegnung der dritten Art. Bevor ich behandelt wurde, musste der Arzt noch einen Zahn ziehen. Und ich mittendrin, gerade ich, die mehr Schiss als Vaterlandsliebe hat, wenn es heißt Zahnarzt. Dann kam er zu mir. Ich dachte nur, bitte lass mich das ganze überstehen. Ich währe ja fast an die Decke gegangen, als er an den Zahn klopfte. Jedenfalls übersetzte mein Leher, ob ich eine Spritze wolle und ich sagte natürlich zu. Dann musste ich noch einmal bestimmt 20 Minuten warten und bekam dann ganz entspannt den Zahn gemacht. Ich hätte wirklich mit allem gerechnet nur nicht mit einer solchen Behandlung. Die Wange habe ich dann gekühlt und die Schwellung ging wieder weg. Man sieht, es geht auch anders!

1998 brach mir wieder eine alten Füllung raus. Ich suchte mir eine ZÄ in der Anonymität der Großstadt und habe einen Engel gefunden. Man glaubt es kaum, ich habe innerhalb von drei Monaten meine ganzen Zähne sanieren und sogar einen Schneidezahn mit einer Krone versehen lassen. Ich bin regelmäßig hin gegangen und bekam auch mal ein saniert, wo nur Zahnstein entfernt wurde.

Vor vier Jahren musste ich aus beruflichen Gründen weg ziehen und der Weg in diese Großstadt ist einfach zu weit und somit war ich in meiner neuen Heimat schon bei fünf verschiedenen ZÄ und keiner kam an diesen Engel heran. Heute werde ich mir einen Termin bei der sechsten ZÄ geben lassen und hoffe, dass sie die gesuchte Nachfolgerin sein kann.


Ich habe viel geschrieben, aber es musste mal raus. In meiner Familie, bei Freunden und Bekannten traue ich mich nicht so offen zu sein, vielleicht, weil ich mich auch sehr schäme.

Vielen Dank, dass es diese Möglichkeit gibt sich auszusprechen.

Tom
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Rike

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2

Montag, 21. November 2005, 08:29

:knuddel: Schön, daß Du uns gefunden hast... Deine Geschichte könnte meine sein... ich bin genauso aufgewachsen, und ich habe diese Zettel gehasst... den Zahnarzt in der Schule mit den lachenden Klassenkameraden um einen herum...und diese unsensible Fliessbandabfertigung. Aber Du weisst ja schon, daß es auch andere Zahnärzte gibt, und ich glaube, mehr als man denkt... viel Glück heute, ich wünsch Dir einen Engel...

rike
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Chris_C82

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3

Montag, 21. November 2005, 14:13

Hm... Nicht immer trifft man auf einen Engel, aber ab und an läuft einem einer über den Weg...

Natürlich ist es schwer einen ZA zu ersetzten dem man mal vertraut hat... Vielleicht findest du ja auch in unserer Liste einen vertrauenswürdigen ZA....

MfG

Chris
"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." 2. Kor 12,9
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pesa

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4

Montag, 21. November 2005, 14:33

Hallo, :( :knuddel:

ja genauso kenne ich das auch. bei mir erfolgte jede ärtztliche Behandlung so-da ich vor allem Angst hatte. Es war halt "normal" das schreiende Kinder festgehalten wurden. Ich weiss nur nicht so genau ob die in den 60ziger und 70ziger jahren nur in der DDR so war oder eventuell auch in anderen Ländern? Ich bin dadurch auch ganz schön geprägt.

LG Petra
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dijay

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5

Montag, 21. November 2005, 16:37

Hallo Tom,

da hast Du ja schon einiges hinter Dir! :knuddel:Ich wünsche Dir auf jeden Fall ganz viel Glück mit der neuen Zahnärztin.

Liebe Grüße
Doro
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Athene

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6

Montag, 21. November 2005, 17:02

Mensch Tom, mir fehlen die Worte.
Mir ist fast schlecht geworden bei Deinem Bericht.
Das gibt es doch gar nicht! :( :( :(
Und Du bist immer wieder hingegangen!
Na ja, OK, du hattest sicher keine andere Wahl.
Also ich bin platt. Das hält doch kein Mensch aus.
Ich wünsche Dir hier in unserem Kreis viele gute Gespräche, viele nette Leute, die Dich aufbauen und alles alles Liebe

Athene :knuddel:
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sabi

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7

Montag, 21. November 2005, 19:44

Hi Tom,

also mir lief ja eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken beim lesen 8o

Das waren ja Zustände wie im Mittelalter (obwohl es da womöglich noch besser war, weil die Zähne da wohl einfach gezogen wurden und dann hatte man es hinter sich).

Ich bewundere Dich wirklich dafür, dass Du es überhaupt schaffst, noch eine ZA-Praxis zu betreten :anbet:

Umso schöner, zu hören, dass man es trotz solcher Erfahrungen mit dem richtigen "Engel" gut schaffen kann.

Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg bei der Suche!

LG
Sabi
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little_celine1979

unregistriert

8

Montag, 21. November 2005, 20:12

Das könnte auch fast ich geschrieben haben! Ich hab das auch alles hinter mir... festhalten, "Maulsperre",... Wenn man solche Erfahrungen gleich bei den ersten ZA-Terminen seines Lebens macht, dann ist es fast normal, dass man zum ZA-Phobiker wird! :( Ich hatte schon vor meinem ersten ZA-Besuch mit 4 Jahren schon Angst und die Angst wurde dort noch geschürt. Die Folgen waren: 14 Jahre ohne Behandlung und das Resultat: mit 26 ein Gebisszustand wie eine 70jährige! Ich bin so dankbar, dass diese grausame Zeit vorbei ist und ich das heute meinem Kind nicht mehr antun lassen muß! Wenn man die Zeiten miteinander vergleicht, ist das heute fast wie Wellness :tongue: Naja, schlimm isses für mich immer noch :( Ich kann nur nicht ganz nachvollziehen, wie Du es geschafft hast, da immer wieder hin zu gehen!!! 8o

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »little_celine1979« (21. November 2005, 20:12)

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Tom1972

unregistriert

9

Sonntag, 27. November 2005, 15:17

Ich bedanke mich für die Beiträge. In Zeiten des Internets mache ich mich auch heute noch auf die Suche nach Zahnarzt-Seiten. Ich habe da einen, wie ich finde, sehr interessanten Bericht auf einer schweizer Seite gelesen. Da stand soetwas drin, in privater Umgebung sich mit der Angst auseinander setzen. Zum einen wurden da alle anfallenden Geräusche als MP3 zur Verfügung gestellt und es wurden Studien durchgeführt, was Musik beitragen kann.

Um ehrlich zu sein, ich kam mir schon ziemlich blöd vor mir Bohrgeräusche anzuhören, aber mein Zahnarzt-Termin kam immer näher und irgendetwas musste ich machen, denn ich möchte, auch wenn ich bisher noch keinen neuen "Engel" gefunden habe, nie wieder mit einem schmerzenden Gebiss da stehen.

Naja, die Idee mit den MP3s hat schon was, ich habe diese dann auf meinen MP3-Player übertragen und bin damit ins Bett gegangen. Letzlich habe ich mich jedoch für Musik, sehr laute Musik entschieden und habe es sogar geschafft eine kariöse Stelle ohne Betäubung bohren zu lassen. Bei der Erneuerung der Füllung an meinem Schneidezahn habe ich dann doch gekniffen und mir eine Spritze geben lassen, da dort schon sehr tief gebohrt wurde.

Also an Alle die sich noch nicht wieder getraut haben zum Zahnarzt zu gehen, einen Rat von mir, nehmt Euch eure Lieblingsmusik mit, stellt die Mucke gaaaanz laut, dann hört man die Gräusche net so arg. Und fast jeder Zahnarzt gibt auch bereitwillig eine Spritze.

Viel Glück und ich drücke jedem die Daumen, dass er seine Phobie überwinden kann.

Ciao Tom
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Wolle

unregistriert

10

Sonntag, 27. November 2005, 15:27

Glückwunsch für soviel Mut und Kraft das du es schafftst eine Zahnarztpraxis zu betreten.
Es wird sicherlich nicht einfahc ein ZA zu finden, der dein Vertrauen hat, schau doch mal in die ZAliste dieser Seite nach ob da vielleicht einer in deiner Nähe ist! Drücke dir alle Daumen das du einen guten Zahnarzt wieder findest!
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Chris_C82

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11

Sonntag, 27. November 2005, 15:42

Manchmal ist man auch sein eigener Engel....

MfG

Chris
"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." 2. Kor 12,9
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perdita

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12

Dienstag, 29. November 2005, 22:21

Hallo Tom, und alle andere Leidensgefährten/innen,

ich bin eher zufällig auf eure Seite gestoßen und seitdem lese hier schon eine ganze Weile ab und zu mit, weil ich mich gar nicht mehr losreißen kann. Ich hätte sicher schon zu dem einen oder anderen Beitrag was zu sagen gehabt, dachte aber bisher (schwerer Fehler), ich hab hier eigentlich gar nichts zu suchen, weil ich schon sehr lange kein Angstpatient mehr bin. Aber heute komme ich nicht mehr drum rum, weil mich dein Posting so sehr berührt hat.

Als ehemalige Betroffene – auch aus der ehem. DDR (sogar aus Sachsen-Anhalt!) – habe ich Ähnliches durch, und mir wurde in Erinnerung an erlittene Demütigungen schon ganz schlecht, als ich deinen Bericht las. Ja, auch ich kenne die DDR-Schlächter, die wirklich alles ohne Betäubung machten, und wenn man nur zuckte, wurde man schon niedergemacht. Die Erinnerungen sind noch gegenwärtig, wie man auf dem Stuhl immer kleiner bzw. größer wurde, je nachdem, ob die Behandlung im UK oder OK war. (Wahrscheinlich wurde auch der Brakedance auf einem ostdeutschen Zahnarztstuhl erfunden.) Bei mir war es Zahnhalskaries an einem Frontzahn, der natürlich auch ohne Betäubung behandelt wurde und dafür verantwortlich war, dass ich für die nächsten fünf oder sechs Jahre um jede Zahnarztpraxis einen großen Bogen machte. Da ich aber auch nicht gerade mit der besten Zahnsubstanz gesegnet bin, ist mir in dieser Zeit natürlich viel kaputt gegangen. Irgendwann – das wir kurz vor der Wende – kam ich dann aber nicht mehr drum herum (entzündeter Weisheitszahn und dicke Backe) woraufhin mich eine Freundin (der ich heute immer noch dankbar bin) kurzerhand zu ihrer Zahnärztin schleifte. Und da hatte ich dann auch so einen Engel gefunden, die mir innerhalb weniger Monate alles in Ordnung brachte. Die gab es sogar zu DDR-Zeiten, man musste sie nur finden. Natürlich konnte auch sie nicht schmerzfrei behandeln, hat es aber geschafft, mich top zu motivieren. Und von Termin zu Termin wurde die Angst kleiner, bis sie schließlich ganz weg war. Natürlich hat das eine Weile gedauert, aber der Weg lohnte sich allemal.
Als ich dann Anfang der 90er nach Baden-Württemberg kam, war ja sowieso alles anders. Plötzlich wurde ich bei der kleinsten Füllung gefragt, ob ich eine Spritze möchte. Ich war völlig fassungslos – war ich hier im Schlaraffenland?
Bezeichnenderweise gehe ich jetzt aber nur noch zu Frauen, weil alle meine Schinder aus der DDR (bis auf den bezeichnenden Engel am Schluss) männlich waren. Ich bin sicher dass ich vielen ZA’s hier unrecht tue, aber das ist nun mal so drin.

Zu diesem Forum bin ich eher zufällig gestoßen, aber sofort kleben geblieben, weil ich es eine so tolle Sache fand. Ich habe mit jedem Betroffenen mitgefiebert und mich für ihn/sie gefreut, wenn sie es endlich geschafft hatten, den inneren Schweinehund zu überwinden.
Ich habe schon in Foren der verschiedensten Art gelesen und teilweise auch mitgemacht, aber so was tolles wie hier hab ich noch nie erlebt. Großes Kompliment an die Administratoren, Ärzte, Helfer und natürlich in erster Linie die Betroffenen – diese Form der Selbsthilfe ist wirklich beispielhaft! Schade, dass es das zu meiner Schisser-Zeit noch nicht gab. Aber da wäre es ja schon am PC gescheitert! :tongue:

Ich hoffe, ihr duldet mich hier, auch wenn ich schon seit ungefähr 16 Jahren kein Angstpatient mehr bin, so kann ich mich doch sehr gut an mein Märtyrium erinnern, und die Überwindung, die es mich gekostet hat, dem ein Ende zu setzen. Es ist einfach eine Wohltat, so viele Menschen zu erleben, die so offen und ohne Scheu mit ihren Ängsten umgehen (die ja bei den meisten ein absolutes Tabuthema sind), dass man sich bei euch einfach nur wohl fühlen kann. Ich kann wirklich jeden einzelnen hier so wahnsinnig gut verstehen, und ganz besonders natürlich die ehemaligen DDR-Patienten.

@sabi
Zustände wie im Mittelalter? Goldrichtig! Der einzige Unterschied war, dass man uns zur Behandlung nicht mitten auf den Marktplatz gesetzt hat!


@tom
Dir wünsche ich auf jeden Fall viel Glück bei deiner Suche. Ich bin überzeugt, dass du hier in der Liste fündig wirst.
Ganz liebe Grüße und toi toi toi!

www.zahnarzt-angst-hilfe.de

Bitte achtet darauf, dass ihr keine Namen von Behandlern nennt. Näheres hierzu findet Ihr hier unter Punkt 2.11


"Ohne Angst kann es keinen Mut geben" Christopher Paolini "Eragon"
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cecily

unregistriert

13

Donnerstag, 1. Dezember 2005, 00:15

Kenn ich,gab's auch noch Mitte der 80er und ich hab immer noch Panik wenn ich nur dran denke....
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AngsthäschenHH

unregistriert

14

Donnerstag, 1. Dezember 2005, 10:52

RE: Zahnbehandlung in der DDR

Hallo Tom,

ich habe gerade deine Geschichte gelesen und fühlte mich sehr stark an meiner Zahnarztlaufbahn erinnert!
Ich wurde auch am Stuhl mit Lederriemen festgebunden und bekam eine Maulspeere in den Mund gesetzt. Mir ist es auch so ergangen und ich wohne im westen von Deutschland!
Bei mir ist es nur die Oma gewesen, die mich zum Zahnarzt geschliffen hat und nicht die Lehrerin!
Als die Oma nicht mehr da war, bin ich dann auch nicht mehr hingegangen, ich war nicht so mutig wie du! Ich gerate richtig in Panik, wenn ich zum Zahnarzt muss!

Mit 19 Jahren hatte ich nur noch Ruinen im Mund und mein damaliger Freund ist mit mir zu seinem Zahnarzt gegangen. So bekamm ich schon sehr früh Kronen und Brücken! Doch leider ist der Zahnarzt dann weggezogen und so bin ich wieder Jahrelang nicht hingegangen!
Jetzt bin ich aber wieder in Behandlung, ich hatte schon meinen ersten Termin, und das bei einer Zahnärztin. Ich glaube ich habe die richtige für mich gefunden!
Ich hoffe du findest auch den richtigen Zahnarzt zu dem du Vertrauen aufbauen kannst!
Viel Erfolg bei deiner Suche!

Liebe Grüße aus Hamburg
Angsthäschen
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Engelchen24

unregistriert

15

Freitag, 16. Dezember 2005, 07:37

DDR Behandlung

Hier Möchte ich auch etwas sagen. Ich komme ursprünglich aus thüringen, die Kinder die zum zahnarzt bei uns mußten bekamen keine Betäubung und wenn man den Mund nicht aufmachte bekamm man eine Maulsperre. Hat man gestrampelt wurde man an den Häneden am Stuhl Festgebunden, ohne Fragen wurde behandelt ohne zu fragen ob man schmerzen hat das interssierte nicht. Ich muss mit meinen sohn auch mal endlich zum Arzt aber ich weiß nicht zu welchen ich habe angst davor das er auch so schlimme erfahrung machen muss.
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Schneidezahn

unregistriert

16

Freitag, 16. Dezember 2005, 07:58

gott nee, wer kann hier gedanken und vergangenheiten lesen? ich bin überrascht!

es war wirklich die hölle, als kind und jugendlicher in der DDR zum ZA zu gehen. das ding mit der maulsperre kenn´ ich auch, unsensible ZAe, rumgebrülle und resignation zuletzt beim arzt sowie kurz-vorm-kollaps-stehen bei mir und der dringende wunsch, nein, die einzige verbliebene überlebensstrategie, nie wieder zum ZA zu gehen ... über 20 jahre lang hat das bei mir gedauert, bis ich eines besseren belehrt wurde.

gottseidank (wirklich) sind diese zeiten vorbei und ich kann, wenn auch immer noch angstschlotternd, weil keiner vor seiner vergangenheit und seinem persönlichen trauma fliehen kann, dennoch wieder zum ZA gehen. nicht zuletzt auch dank der kenntnis, dass es ausser mir noch mehr angsthasen gibt, die sich aber genauso gut am riemen reissen und ihre angst überwinden können.

ich bin froh, dass es euch gibt!
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Heike N.

unregistriert

17

Freitag, 16. Dezember 2005, 09:19

Wenn ich mir das so durchlese, muss ich feststellen, dass die Behandlungsmethoden im Westen wie im Osten mal echt drakonische Ausmaße angenommen haben.

Hier war es nicht viel anders (daher habe ich ja auch meine Angst, schrieb ich in meinem Vorstellungsposting).

Das war vielleicht einfach bedingt in einer Empathielosigkeit, die durch (entsprechend alte Ärzte) aus der Einstellung entstanden ist: ein Indianer weint nicht/Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder/ diese ganzen netten Blödsinnssprüche halt.
Das konnte sich vielleicht in der DDR länger halten, weil die Docs meistens angestellt waren (oder gab es viele niedergelassene Ärzte?) und sich nicht um Patienten bemühen mussten.

Ich habe mal in meiner Erinnerung gekramt (der Großteil meiner Familie stammt aus der ehemaligen DDR), aber an dergleichen Berichte kann ich mich nicht erinnern. Mag sein, dass sie Glück gehabt haben, mag aber auch sein, dass man über sowas halt keine großen Worte verloren hat.

Mir hat letztens noch ein Freund eine Annekdote erzählt: ihm wurde in der Jugendzahnklinik am Zahn rumgebohrt. Der Bohrer löste sich aus der Fassung und fiel ihm in den Hals. Kommentar der Ärztin: "Nicht schlucken, die Dinger sind teuer." :rolleyes:
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Chris_C82

Erfahrungspunkte:

Beiträge: 547

Geschlecht: Männlich

Wohnort: Rheinland-Pfalz

18

Freitag, 16. Dezember 2005, 11:35

Es lebe die freie Marktwirtschaft..

Schön, dass wir nun selbst bestimmen könen zu welchem ZA wir gehen... Schön, dass wir uns nicht mehr ales bieten lassen müssen....

MfG

Chris
"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." 2. Kor 12,9
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Heike N.

unregistriert

19

Freitag, 16. Dezember 2005, 11:51

Zitat

Original von Chris_C82
Es lebe die freie Marktwirtschaft..

Schön, dass wir nun selbst bestimmen könen zu welchem ZA wir gehen... Schön, dass wir uns nicht mehr ales bieten lassen müssen....


Das war ironisch gemeint, ja? Wenn ich da so an unsere Gesundheitsreform denke... :rolleyes:
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little_celine1979

unregistriert

20

Freitag, 16. Dezember 2005, 13:17

8o Also Heike, das mit dem Bohrer ist ja wirklich pervers! :( War das auch in der DDR damals?? Ich glaube, das wäre dann wohl endgültig mein letzter Zahnarztbesuch für immer!!! :anbet:
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