so, jetzt schaff ichs meinen ersten zahnarzttermin nach jahren hier wiederzugeben.
die folgenden zeilen beinhalten
leider nicht (.. super nett .. liebevoll .. total auf mich eingegeangen), aber liebe leute, bitte lest euch den eintrag bei interesse trotzdem ganz durch wenn ihr möchtet, auch wenn genau die dinge drinnen stehen vor denen wir alle teilweise angst haben.
Ich habe in Begleitung einer Freundin die Praxis betreten, mich dann aber von ihr verabschiedet, weil ich die ganze Sache allein durchstehen wollte. Nach den üblichen Aufnahmeformalitäten hab ich im durchaus netten Wartezimmer platzgenommen. Es wurden genug Ablenkungsmöglichkeiten geboten und das Ambiente war auch eher wohnzimmerhaft. Meine Anspannung wurde etwas besser dadurch. Da sich der Zahnarzt im Internet und auch durch diverse PatienInnenberichte aus Wien als Spezialist im Umgang mit AngspatientInnen präsentierte war ich zuversichtlich nun langsam an die Sache herangeführt zu werden. Ich füllte den Aufnahmebogen aus, beantwortete verschiedene Fragen zu meine Zahnarztangst. Beschrieb mich selbst als super ängstlich.
Am Telefon war vereinbart dass wir heute mal mit einem Beratungsgespräch beginnen.
so weit so gut.
Nach 10 min betrat eine Arzthelferin den Raum und meinte ich solle mitkommen. Dachte mir wir gehen zum Gespräch. Wir erreichten allerdings sofort den Röntgenraum, sie meinte ich solle mich setzten, wir machen ein paar Aufnahmen. Ich war total geschockt in dem Moment. "Machen sie bitte den Mund auf" etc. etc. obwohl ich genau davor seit 10 Jahren Schiss habe, dass fremde Menschen in meinen Mund schauen oder darin herumfummeln. Ich war im ersten Moment ziemlich geschockt, fast gelähmt, herzrasen ....... Dachte mir dann aber: WAS SOLLS IHR DEPPEN (sorry), ES IS EUER VERDAMMTER JOB EUCH RUINEN WIE MEINE ANZUSEHEN, IHR WERDET DAFÜR BEZAHLT!!! mit der Einstellung, und dem Umstand dass die Arzthelferin eh nicht als potentielle Kusskandidatin in frage käme, fasste ich Mut und ertrug es erstaunlicherweise ganz gut. Ich hab mir einfach immer wieder gedacht .. das is euer Job.. wenn euch davor ekelt ... macht was anderes.
Aufnahmen wurden gemacht. Danach meinte die Helferin ich möge mitkommen, wir gingen gleich in den Behandlungsraum! und sie meinte ich möge am Zahnarzsstuhl platznehmen und auf die Ärztin warten.
Jetzt hat es mir gereicht, ich hab gesagt
STOOOOOOPP!!! Ich sah schon meine Röntgenbilder am Display aus der Ferne und hatte jetzt sicher keine Lust beim Anblick der Bilder, die sicher scheiße aussehen auf die Ärztin zu warten. Ich fragte, ob irgendwo untergegangen ist dass ich ein Angstpatient sei, ob sie meinen Anmeldebogen nicht gelesen hätte und dass ich jetzt sicher nicht hier am Zahnarztstuhl warte weil ich sonst durchdreh!
Ich wartete dann brav am Stuhl wo die Ärztin normalerweise sitzt. Ich versuchte Mut zu schöpfen und hielt mir immer wieder vor, dass ich sowieso mit dem Rücken zur Wand steht (zahntechnisch) und es nur mehr besser gehen kann wenn ich es allen hier (und im eigentlichen Sinne mir selbst) beweise.
Dann kam die Ärztin. Sie betrat das Zimmer, sah mich an und meinte "So, setzten sie sich hin, jetzt schauen wir uns das mal an"
Zeit für mein zweites STOOOOOOOPPPP! Ich erklärte ihr, dass es mir genau jetzt, in diesem Moment extrem gschissen geht (das is österreichisch und bedeutet .. " kurz vorm heulen oder zusammenbrechen"

) und ich mich als großen Angspatienten sehe. Ich sagte ihr, dass ich es ohne Vorbereitung nicht Schaffe einfach meine Zähne anschauen zu lassen.
Ich verlangte von ihr mir jetzt mal genau zu erklären was wir bei den nächsten Schritten machen.
Kein Reinschauen ohne mein Einverständniss, Kein Rumfummeln ohne Ankündigung (also Zahnarzttechnisches rumfummeln

) etc....
von da an ging es bergauf. Die Ärztin hatte es dann endlich gecheckt und wurde behutsamer und vorsichtig.
Wir gingen Schritt für Schritt die Bilder und Zähne durch. So wie es viele Leute hier schon angemerkt haben. Zähne die man selbst schon total aufgegeben hat, können immer noch gerettet werden lt. Ärztin. Sie hat sich die ganze Sache dann wirklich nur angesehen mit dem Spiegel und wir sind alles durchgegangen.
Sehr erleichternd war, dass sie mir einfach vermittelt hat, es gibt eine LÖSUNG!!!
Die Lösung wird bei mir ned einfach sein, aber das ahnte ich ja. diverse Wurzelbehandlungen, ein paar müssen raus, der Rest wird mit Brücken und Kronen wieder aufgebaut.
Dies hat natürlich alles eine Weile gedauert, aber die Ärzin nahm sich Zeit beantwortete Fragen und erklärte mir alles sehr gut.
Anschließend folgte noch ein Gespräch über die nächsten Schritte, Narkosefreigabe etc etc.
Natürlich war ein niederschmetterndes Erlebnis auch die Präsentation des Kostenvoranschlages. Ich habe zum derzeitigen Zeitpunkt auch noch keine Ahnung wie ich das schaffen soll, aber mir war vorher bewusst dass es sich um eine Große Summe handeln wird und insofern brach ich nicht in Panik aus.
Auch wenn für mich noch nicht geklärt ist, wie ich dass alles berwerkstelligen kann.
ICH HAB MEINEN ERSTEN BESUCH UND EINE BESTANDSAUFNAHME GESCHAFFT, das ist für mich ein Erfolg.
Ich verließ die Praxis. Meine Freundin erwartete mich und ich bin mal in Tränen ausgebrochen. Ich war so stolz auf mich dass ich mich durchgesetzt habe beim Arzt. Wie und warum ich mich so habe verhalten können ist mir immer noch ein Rätsel. Für mich war es allerdings eine Art Schocktherapie.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich es eigentlich sehr fahrlässig finde vom Arzt sich als Angsspezialist anzukündigen und dann nur auf mich einzugehen wenn ich es wehement einfordere.
Ich denke dass meine Situation, die ein Handeln erzwingt dazu geführt hat, dass ich es schaffe. Allerdings glaube ich dass AngspatientInnen, die nur "kleinere Eingriffe" (die Angst dabei is genau gleich groß) wohl eher in ihrere Zahnarztphobie bestätigt werden und ev zur Nachbehandlung nicht mehr gehen.
Da ich allerdings das Gefühl hatte, dass dort schon gut gearbeitet wird (möglichst viele Zähne retten, dauerhafte Lösung anstreben ...) werde ich, sobald ich z.b. kostentechnisch für mich einen Weg gefunden habe, trotzdem dort bleiben, allein schon deswegen weil ich es denen dort allen zeigen und beweisen will.
Was ich allen anderen hier mitteilen will: WIR MÜSSEN UNS AUCH VOM ARZT NICHT ALLES GEFALLEN LASSEN UND KÖNNEN STOPPPPPP SAGEN und einfordern dass auf uns eingegangen wird.
Für alle Leute in Wien die einen AngstpatientInnenzahnarzt suchen würde ich diese Praxis nicht empfehlen (nachgefragt kann ja über PN werden)
puh,.. hoff das war jetzt irgendwie nachvollziehbar erzählt, hab das alles ziemlich aufgelöst niedergeschrieben... und ich hoffe auch es ist ok dass ich die Geschichte hier schreibe, auch wenn sie nicht ein 100% iges Erfolgserlebnis beschreibt.
(gefundene rechtschreibfehler dürfen wie immer behalten werden.)