riesen Heulsuse oder besser 100% Kontrollverlust
Hallo,
schon eine Weile treibe ich mich hier als stiller Leser im Forum herum, warum wird sich jeder denken können. Jedes Mal habe ich mir gedacht, ich schau mich einfach mal um und dann schreibe ich selbst auch. Doch nachdem ich hier und da gelesen hatte kam alles wieder hoch und die Heulerei ging wieder los. Ich habe mich dann immer sang und klanglos wieder ausgeklinkt. Einmal habe ich es sogar geschafft mich zu registrieren.
Heute hatte ich mir vorgenommen mich einfach einzuloggen, ein Thema zu starten und drauf los zu schreiben. Doch ich habe es wieder getan, vorher gelesen und Bäche geheult. Gerade war ich drauf und dran wieder auf das große X rechts oben zu klicken. Nein diesmal nicht und schnell ein Thema eröffnet. Ich hoffe ich werde es auch abschicken, ich nehme mir vor es einfach zu tun, sobald ich auch nur daran zweifle. Entschuldigt jetzt schon alle Tippfehler, ich bin zwar ein routinierter Tastenschreiber, aber ich sehe meine Tasten nur noch verschwommen.
Nun bin ich mir nicht sicher an welcher Stelle ich anfangen soll. Ich habe Angst, vorallem vorm ZA, das ist mir klar. Schlimm für mich ist, das ich eigentlich garnicht weiß warum und das ich es nicht einfach durchziehe. Immer wieder sage ich mir: "Mensch zieh es einfach durch, so eine Memme bist du doch sonst nicht!" - es geht einfach nicht, wieder schießen mir sinnlose Tränen in die Augen.
So oft habe ich schon überlegt was genau mir Angst macht, aber ich kann es nicht benennen. Immer wieder suche ich nach Antworten, aber ich kann mir diese Frage einfach nicht beantworten.
Ich fange einfach mal an zu erzählen. Ich bin 26, habe Mann, Kinder und studiere derzeit. Selbst wenn ich nach den Anfängen meiner Angst suche scheitere ich. Als Kind war ich immer beim ZA hier im Dorf. An die Ärztin erinnere ich mich noch sehr gut, wie sie sich neben der Neonsonne über mich beugt und mich durch ein Gesichtsschild aus durchsichtigem Plastik angrinst. In der Schule gab es auch hin und wieder untersuchungen, aber da erinnere ich mich an nichts konkretes.
Mit etwa 11 hatte ich mal einen vereiterten Milchbackenzahn. Besagte Ärztin im Dorf behandelte mich. Ich kann mich nur noch schwer daran erinnern, die Bilder hängen hinter einer Art Schleier. Leider wirkte die Betäubung nicht, aber die Ärztin zog munter weiter als ich sie darauf aufmerksam machte. Unser Nachbar saß im Wartezimmer und rief meine Mutter an, da ich wohl schrie, als wenn ich abgemurkst würde, aber das weiß ich selbst nicht mehr.
Ich ging weiterhin zu besagter Ärztin, welche mir später eine lose Zahnspange verpasste, um den Engstand in meinem Gebiss zu beseitigen. Ich hatte mit der Spange nur Probleme. Sie drückte so stark auf meinen Kiefer, das ich nur Schmerzen hatte, wenn ich sie trug. Ich teilte dies der Ärztin mit, aber sie meinte nur das es drücken müsse.
Die Schmerzen wurden immer unerträglicher, so das ich die Spange immer wieder rausnehmen musste, weil es nicht mehr zu ertragen war. Am Anfang kämpfte ich sehr, denn ich hasste meine schiefen Zähne, besonders den einen. Doch bald ging es einfach nicht mehr, aus permanenten Kieferschmerzen wurden Kopfschmerzen. Doch die Ärztin schob alles darauf, das ich die Spange nie tragen würde und schimpfte mit mir.
Irgendwann habe ich resigniert und das Ding einfach nicht mehr getragen. Die Ärztin schimpfte mich doch eh schon, ich würde das Ding nie tragen, also könnte ich es auch gleich lassen, den Ärger bekam ich ja sowieso. Das war eben die Lösung, die ich mir in meiner kindlichen Naivität zurechtbog. Daran den Arzt zu wechseln habe ich damals als Kind noch nicht gedacht. Meine Eltern bemerkten auch das ich die Spange kaum trage und ich ließ mir Ausreden einfallen, wie ich solle sie nur noch Nachts tragen.
Irgendwann habe ich das mit dem zum Zahnarzt gehen einfach schleifen lassen. Ich habe heute keine Ahnung mehr wie ich das damals angestellt habe ohne das es zuhause auffiel, aber ich habe es irgendwie hinbekommen. So war ich zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr das letzte Mal beim Zahnarzt. Meine Zähne putzte ich immer fleißig, damit ich auch ja keine Schmerzen bekommen würde. Das ging so auch ganz lange gut.
Nach dem Abitur arbeitete ich von zuhause aus, selbständig, ich war durch eine Freundin zu einem prima Job gekommen. Ich konnte mich um Haus und Kinder kümmern und dennoch etwas zum Einkommen beisteuern. In der Zeit bestand mein Tag aus 18h Arbeit, 7 Tage die Woche. Immer zwischen Haushalt, Kindern und PC. Irgendwann machte mein Körper nicht mehr so mit und klagte mehr Schlaf ein, da mir die Auszeiten fehlten. Aber da habe ich mich lange nicht geschlagen gegeben.
Anfangs versuchte ich mich mit Kaffee wach zu halten, aber der hatte in Unmengen eher eine durchschlagende Wirkung. So griff ich auf Cola zurück ... Koffein zum wach bleiben und Zucker fürs Gehirn. Tja der Zucker war leider nicht nur fürs Gehirn, sondern auch für die Zähne, wie sich bald herausstellte. Meine Zähne wurden immer gelber und brüchiger. Irgendwann ging es auch mit Cola nicht mehr und ich brach so richtig in mir zusammen, aber ich ließ es mir nie anmerken. Zu dieser Zeit sahen einige meiner Zähne schon aus wie ein schweizer Käse.
Der Job lief ohnehin nicht mehr so gut, aus wirtschaftlichen Gründen, nicht das ich nicht mehr gearbeitet hätte. Irgendwann hatte ich so ein richtiges Burn Out und legte nur noch Letargie an den Tag und ließ die Arbeit sausen, genau 1 Jahr lang.
Während dieser Zeit hatte ich plötzlich unheimliche Schmerzen, ein Backenzahn machte mir den Ärger. Ich ging wohl oder über zum ZA, dem meines Mannes. Zur Schwester an der Anmeldung konnte ich garnichts sagen. Während der Wartezeit im Vorzimmer liefen mir schon die Tränen übers Gesicht. Ich war mir selbst peinlich und wollte mich zwingen aufzuhören, aber es ging nicht. Ich hatte mich selbst einfach nicht mehr unter Kontrolle. Ich hasste mich dafür, denn ich mag den Kontrollverlust nicht, das ist auch der Grund warum ich so gut wie nie Alkohol trinke. Am liebsten wäre ich gegangen, aber mein Mann war dabei und die Schmerzen waren auch noch da.
Im Behandlungszimmer wurde dann seitens Arzt und Schwester erstmal herzhaft über meine Zähne mukiert. Als wenn ich nicht selber wüsste das sie grauenhaft aussehen. Zuerst stellte mir der Arzt in Aussicht den Zahn erhalten zu können, wenn er aufgebohrt würde und der Dreck weggefräst wäre. Der Zahn wurde unter seine Fräse immer weniger und er meinte dann, das er dann doch raus müsse, aber nicht heute. Im Anschluss an die Behandlung erklärte er mir mit der Schwester und meinem Mann, wie einem kleinen Kind, wozu eine Zahnbürste wäre.
Dann meinte er noch, das man die Zähne in ein Paar Sitzungen wieder hin bekommen würde, er würde das mit mir beim übernächsten Mal gleich anfangen. Er schlug vor das die Schwester gleich noch meine Zähne reinigen solle, so gelb wie die seien hätten sie das nötig und verließ den Raum. Die Schwester begann mit der Elektrobüste und Spezialpaste auf meinen Zähnen rumzurubbeln. Irgendwann gab sie auf und meinte, "Na gut, so dreckig sind die garnicht." In Gedanken vervollständigte ich ihren Satz mit "... sie sind einfach wirklich so arg hässlich.". Ich bekam einen Termin für das Ziehen des Reststummels, ging aber natürlich nicht hin.
Das ging eine ganze Weile gut, dann begann auch noch der Reststummel zu schmerzen. Erst nur selten mal ein wenig, was ich einfach durch eine spezielle besonders eklige Mundspühlung und Irgnorieren überbrückte. Nur bald kamen die Schmerzen häufiger und länger und waren dann bald dauerhaft da. Über Wochen bekam ich die Schmerzen mit kontinuierlicher Steigerung der Schmerzmittel in den Griff. Kein Tag verging ohne das ich Pillen schluckte, wirkten sie nicht mehr beschaffte ich mir ein stärkeres Medikament. Zum Schluss konnte ich nichts mehr machen außer die Wange dauerhaft zu kühlen. Irgendwann gab es nichts stärkeres mehr.
Dann konnte ich vor Schmerz nicht einmal mehr kurz schlafen, ich schlief drei Tage und Nächte garnicht mehr. Als ich dann den ganzen Tag nur noch vor Schmerzen gejammert habe konnte ich es nicht mehr verheimlichen und mein Mann sackte mich und schleppte mich zum Arzt. Der Arzt in der Notaufnahme redete viel von "Das schaffen wir schon und bla ..." was ich ihm eh nicht glaubte.
Aber er gab sich große Mühe mit mir, er war der erste, der mir glaubte das die Betäubung nicht da ist und nachspritzten (sogar 2 Mal) bis es wirklich taub war und dabei hatte ich nur das Gesicht verzogen und herumgefuchtelt. Ansonsten lief der Termin auch ab wie jeder, ich heulte die ganze Zeit und hatte mich nicht unter Kontrolle. Beim spritzen musste ich mich so zusammenreißen nicht reflexartig auf die Spritze zu beißen. Ich hatte überlegt wieder zu diesem Arzt zu gehen, aber es dann schnell verworfen, da ich mir selbst zu peinlich war.
Nach der Behandlung hatte ich große rotblaue Flecken im Gesicht. Ich glaube nicht das ich mich gut genug unter Kontrolle hatte und deshalb nicht auf die Spritze gebissen hatte. Ich glaube eher das der ZA jede Menge Kraft brauchte um mir den Mund aufzuhalten, so das ich daher diese mystischen rotblauen Druckflecken bekam. Wenn ich nicht schon wieder heulen würde, dann könnte ich mich an dieser Stelle über mich selbst amüsieren. Der arme ZA muss wohl am nächsten Tag Muskelkater in den Händen gehabt haben.
Vor 2 Jahren raffte ich mich dann wieder auf und begann zu studieren. Zu der Zeit brachen mir auch noch meine beiden oberen Schneidezähne nach und nach in Stückchen ab. Wär ich mal lieber daheim geblieben, sowas fällt ja nun jedem auf. Ich versuche einfach mit keinem zu reden und allein durchzukommen. Am liebsten ist es mir, wenn ich garnicht hin muss und ersatzweise eine Hausarbeit machen kann.
Gelacht habe ich vor Menschen noch nie ohne vorgehaltener Hand, wegen dem schiefen Eckzahn der jedem gleich geradezu ins Auge fällt. Höchstens mal ausversehen, wonach ich dann meist im Boden versunken bin oder die Flucht ergriffen habe. Heute versuche ich beim Reden den Kopf zu senken, so das niemand auf meine Zähne schauen kann, da ich nur 1,63m bin schauen die meisten eh auf mich herab. Aber am liebsten würde ich garnichts mehr mit Menschen zu tun haben wollen. Ich weiß genau was in den Köpfen vorgeht, in den meisten zumindest. Naja und viele muss man auch nicht lang um einen dummen Kommentar bitten und wenn man es genau nimmt, dann habe ich es für so viel Dummheit auch verdient.
Ich hatte mal einen Bekannten, der war Zahnarzt und er wusste von meiner Angst. Er hat mir ganz ehrlich erzählt das er sich jeden Tag vor solchen Menschen wie mich ekelt, wenn er sie behandeln muss. Wir haben uns gut verstanden und wir mochten uns auch. Dennoch hat er mir ganz unverblühmt erzählt was ein ZA so denkt, wenn er so einen Mund sieht. Aber auch so meinte er zB. "Du glaubst garnicht, was man bei manchen im Mund so findet, wenn die zum ZA kommen. Man kann regelrecht erraten, was sie zuletzt gegessen haben. Das geht von Nudeln bis Lakritze. Auch wenn die Zähne so in Ordnung sind, man geht doch nicht mit Essensresten im Mund zum ZA. Der ZA Besuch kommt ja normalerweise nicht so überraschend." Naja da habe ich mich schon gefragt, das die konkreten Gedanken bei einem Mund wie meinem nur 100 mal schlimmer sein müssen. Aber solche Sachen habe ich immer nur stillschweigend zur Kenntnis genommen.
Meine Zähne habe ich glaube ich nie gemocht. Ich habe vorn einen total schief nach vorn stehenden Eckzahn, der nicht auf dem Kiefer in der Zahnreihe, sondern vorn aus dem Zahnfleisch rausgewachsen ist. Meine Schneidezähne oben sind bis auf die Hälfte runtergebrochen. Ein Backenzahn ist ja weg. Zwei anderer stehen nur noch als Ruine. Die noch stehen haben entweder oben oder an der Außenseite ein riesiges Loch. Einer der Abgebrochenen Schneidezähne hat vorn ein großes Loch, der andere ein schmaleres. Mein verhasster Eckzahn hat vorn auch ein Loch. Naja und für mein komplettes Gebiss kann man sagen: Eine Zahnreihe ist das nicht.
Heute schaue ich mir sogar selbst nicht mehr in den Mund, auch nicht beim Putzen. Wenn ich Lippenstift auflege, dann ziehe ich meine Lippen über meine Zähne, damit ich das Grauen selbst nicht sehen muss. Ich weiß nicht ob man sich vor sich selbst ekeln kann, aber ich glaube ich tue es. Wie kann ich das dann jemandem anders zumuten? Vielleicht sogar stundenlang.
Zum anderen habe ich mich auch einfach nicht unter Kontrolle. Bisher habe ich immer nur geheult, kein Wort rausgebracht und meine Reflexe nicht im Griff und damit mich selbst blamiert. Aber was wenn es schlimmer wird? Ich am Ende noch dem ZA auf die Finger beiße oder noch schlimmer. Es ist ja nicht so das ich das will, ich versuche mich auf dem Stuhl nur zusammenzureißen und denke nur daran das soetwas nicht passieren soll und die Ängste eben und der Kram. Aber was wenn ...
Zum anderen habe ich auch nicht das Geld für so eine Behandlung. Ich bin nur Studentin, mein Mann selbständig und wir sind froh, wenn es jeden Monat zum Leben bleibt. Ich könnte mir wahrscheinlich nicht einmal die günstigste Behandlung leiste, die wohl wäre alles raus und ein Klappergebiss fürs Glas. Abgesehen das ich mit so rausnehmbaren Sachen oder Brückengestellen sicher nicht klarkommen würde. Wäre dann wieder so das ich mich genauso vor mir selbst ekeln würde, wenn das kein richtiger mit nem Stift eingelassener Zahn wäre. Ein Drahtgestell im Mund, nein danke.
Hach wenn ich das manchmal sehe, schlohweiße große gleichmäßige Zähne, wie in der Zahncremewerbung. Aber sowas werde ich nie haben und bis auf die schlechten Grundlagen bin ich ja auch selbst schuld.
Nun glaube ich aber das ich genug geschrieben habe und werde es einfach wegschicken ohne nachzulesen, weil ich mir dann sicher wieder denke, das ich das so niemandem schreiben kann. Zudem muss ich mal ein Handtuch holen und meinen Tisch und die Tastatur trocknen, denn im Griff habe ich mich wieder nicht.