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ich war da

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1

Samstag, 5. Juli 2003, 02:12

nehmt euch die zeit zum lesen, ist es wert

hallo leute,

das hier wird etwas längeres, aber nehmt euch die zeit denn es geht positiv aus.

ich fange mal in meiner jugend mit größeren schritten an und führe dann die jüngere geschichte besser aus.

also bei mir war das mit den zähnen schon immer so eine sache. ich konnte das nie besonderes leiden, dieses ziehen beim absaugen, den lärm des bohrers usw. mit 6 oder 7 hab ich mal einer za die hand weggehauen und die hat sich selbst in den finger gebohrt lol...

meine zähne waren dicke schief und weil das nicht reichte gingen mir auch noch 6!!! in worten sechs der zweiten zähne ab. so mit 13 ging das dann mit der festen spange an, die tat immer sau weh wenn da neue drähte reinkamen um die lücken zu schließen usw usw.

damals war ich noch regelmäßig beim za, er fand immer ein wenig zu tun aber ich habs überlebt. die lücken konnten natürlich nicht alle geschlossen werden und so kam es das mir mit 16 eröffnet wurde das ich zwei brücken brauche um die lücken komplett zu schließen und das ganze sollte so bis zum 18 passieren damit ich nichts selbst bezahlen muss.

so, bis hier hin ja noch nicht so tragisch, aber ab da ging es los.

solche brücken reinzumachen stellte ich mir unwahrscheinlich krass vor, zumal das abschleifen und der ganze scheiß lange dauert und ich das eh nicht prickelnd fand. wichtig bei dem ganzen ist noch das ich eine spange bekommen habe die ich nachts tragen mußte damit die zähne neben der lücke nicht wegkippen sondern stehen bleiben.

dieses ding hatte ich also nachts drin, mal so zwei tage aussetzen ging, aber dann ging das teil schon streng rein weil die zähne sich bereits bewegten.

da fing dann auch meine phobie an zu wachsen und es vergingen schon mal die ersten zwei jahre ohne za-besuch. geputzt hab ich schon regelmäßig aber meine zähne sind von haus aus nicht die besten. aber gut, angst stieg und schon wieder waren zwei jahre rum.

die ersten löcher kamen bereits und und und

die zeit mit den freundinnnen und übernachten usw. kam natürlich auch. mit meinem ganzen zahn und spangenproblem hatte ich mit 19 rum schon so eine phobie und scham entwickelt das ich das meinen freundinnen nie gesagt habe. bis heute und ich bin nun 25 habe ich das nie jemandem gesagt und in den beziehungen meisterlich verheimlicht.

so kam es auch das ich bis jetzt mit keiner länger als ein paar tage weggefahren bin da ich ja irgendwann daheim wieder dieses blöde teil von spange einsetzen mußte...

die karies machte sich natürlich auch breit, auch an den frontzähnen. eine wirklich gute freundin hat die angewohnheit das sie angetrunken redselig wird und so hat sie mich ein paarmal angesprochen wann ich denn zum zahnarzt gehe. bei sowas wär ich immer am liebsten im erdboden versunken, wenn mal kumpels vom zahnarzt geredet haben hab ich gleich einen pfeil gemacht oder das thema umgelenkt.

immer und immer wieder wollte ich den za-termin in angriff nehmen, aber es war mir unmöglich, ich bekam regelrecht herzklopfen, aber das kennt hier ja jeder.

es kam dann soweit das mir mal links und rechts an einem backenzahn ein stück weggebrochen war und ich selbst dachte, so jetzt hast du es, nun kannst nicht mehr aus. nach ein paar tagen war der schmerz weg und ich natürlich nichts mehr mit za.

meine lebensqualität sank dann in punkto speißen mit der zeit auch, ich konnte eigentlich nur noch rechts gut beißen, wobei aber mit snickers und co. eh nichts mehr ging. ich mußte also mein essen schon nach dem zahnstatus richten

letztes jahr mit 24 lenzen und 9 jahren za- abstinenz war dann der tag gekommen. die spange hab ich vor meiner freundin noch immer verheimlicht, was gut ging, da sie nur am we übernacht war. ihre urlaubsfreude konnte ich drücken so das wir nur 4 tage weg waren, obwohl es mir selbst super gefallen hat. wir hatten da schon von zusammenziehen geredet was meine lage auch nicht verbesserte.

es kam dann so das mir ein zahn richtig weh tat und mir der za-gedanke nicht mehr aus dem kopf ging. das telefon hatte ich schon zahllos in der hand, die nummer des arztes wo ich früher schon war lag auch bereit. irgendwann hab ich mit zitternder stimme angerufen und nach dem termin gefragt.

ich hoffe das aus meinen zeilen bis jetzt zu erkennen war das ich wirklich ein schisser war und ich hab mich schon vor scham auf grashöhe bewegt, bei der vorstellung wenn der za meinen status sieht.

ich bin voll nervös in die praxis rein und hab gleich mal so rum gefragt wie der so mit ängstlichen kann. die sprechstundentusse fragte ob ich schonmal da war, ich "ja vor 9 jahren". dannn das was kann ich mir nicht vorstellen bla bla bla

also gut, rauf auf den stuhl. der doc kam dann und fragte schonmal vorsichtig nach, schaute sich die sache an und meinte das alles nicht so tragisch ist. dabei ist mir schon mal ein riesen stein vom herz gefallen, denn ich bin einer der viel denkt und ich hab mir schon dutzende möglichkeiten ausgemalt wie das mit mir enden könnte. er hat dann gemeint er möchte schonmal zahnstein entfernen, denke er wollte sehen wie schlimm das ich bin. das ging super mit kopfhörer und wir machten neue termine.

das war dann schon einer der entscheidenden punkte wo ich zwei sachen feststellte.

1. meine scham hat mich unendlich aufgehalten
2. die behandlung hatte ich mir 500% schlimmer ausgemalt wie es wirklich ist
3. ich bin kein klassischer angstpatient mehr

beim nächsten termin kam ein einer hupfer in weiß rein und ich dachte als erstes " seit wann haben za´s zivis"??

der kerl war 25 und za, also in meinem alter. bei dem hatte ich einige behandlungen und der war echt super für sein alter. der hat mir unzählige füllungen gemacht und sogar zwei weisheitszähne raus. einen geschnitten den anderen gezogen.

von behandlung zu behandlung hab ich gemerkt das es echt nicht so schlimm ist und das die spritzen super wirken. ich hab mir immer einen kopfhörer geben lassen und so war der bohrer auch nicht schlimm.

jetzt bin ich mit meiner behandlung fertig und hab die brücken drinn, die sind echt nicht klein, für jede mußten drei zähne geschliffen werden.

das ganze dauerte so gut ein halbes jahr und ich war genau fertig als ich mit meiner freundin in unsere wohnung zog, das aussuchen usw. lief also schon parallel.

das mit der spange usw...weis sie immer noch nicht. sie hat bestimmt geahnt das ich schiss vorm za habe, aber welche ausmaße bestimmt nicht.

das fazit meiner neverending story ist eigentlich für die die sich nicht trauen. meine angst war groß, aber meine scham noch viel größer. wenn die spritze sitzt, die musik läuft und die augen zu sind kann der mittlerweile mit mir machen was er will. ich selbst mußte in die ecke gedrängt werden bis es was wurde. meine angst hat mich jetzt 2600,- gekostet und ich ärgere mich über mich selbst weil ich mir ganz alleine diese kosten angetan habe..


also denkt nach scham oder angst...bei mir war die scham größer. zusammenreißen und hin zu dem typen, es gibt echt schlimmeres....viel glück leute
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Micha

unregistriert

2

Samstag, 5. Juli 2003, 12:56

RE: nehmt euch die zeit zum lesen, ist es wert

Hallo,

Dieser Beitrag hat mir wirklich Mut gemacht!

Danke!
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Scared

unregistriert

3

Sonntag, 6. Juli 2003, 12:29

Tolle Geschichte, danke fürs schreiben! Ich hoffe ich kann sowas auch mal hier reinschreiben! Danke!
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Sabrina Kunz

unregistriert

4

Sonntag, 6. Juli 2003, 12:34

Klasse Bericht !!!!

Aber was mich mal interessieren würde:

Woher kommt die Scham sich seinem Lebenspartner mitzuteilen ? Mal abgesehen von dem Unterschied ob man nun männlich oder weiblich ist !!

LG

Sabrina
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Scared

unregistriert

5

Sonntag, 6. Juli 2003, 12:42

Ich weiß nicht ob es einen Unterschied zw. männl. und weibl. gibt ich hab es meinem Freund den ich bis vor einem halben Jahr hatte, es auch nicht gesagt! Für mcih hat das einfach damit zu tun, wie man als Mensch ist....

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Scared« (6. Juli 2003, 12:43)

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ich war da

unregistriert

6

Sonntag, 6. Juli 2003, 20:15

hhmmm..gute frage, so einfach ist da die antwort gar nicht. zum einen bestimmt der männliche stolz und zum anderen die fehlbarkeit. selbst strebe ich immer nach dem besten und und und , aber dann auf dem gebiet so zu versagen und dann auch noch dazu so extrem macht das ganze zu einem riesen eisberg.

meine freundin hätte bestimmt verständiss für die ganze sache.

aber auch hier hat das ganze etwas positives. mit früheren freundinnen hätte ich nichtmal über einen za geredet und der heutigen sag ich wenn was nicht paßt und wenn ich mal nen termin brauche....ist echt so, bei mir hat sich in diesem punkt alles geändert und das nur zum positiven...irgendwann erzähl ich ihr mal das ganze
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Sabrina Kunz

unregistriert

7

Montag, 7. Juli 2003, 01:03

:)) daher sagte ich ja abgesehen davon ob männlich oder weiblich.
Bei Männern ist das oft so - zugeben das sie Angst haben vorm Zahnarzt ?? Niemals !!

Wobei, wenn ich über mich nachdenke, ich ziehe diese Ängste dann glaube ich auch eher ins lächerliche. Das aber wenn ich richtig nachdenke aus dem Grund weil mir klar ist das jeder irgendwo Angst vor dem Mann in Weiss hat.

Der eine mehr, der andere weniger, und wieder andere bis hin zur Panik.
Daher kommt es wohl dann auch das ich da jetzt nicht so die Scham verspüre.

Bei mir war auch nicht die Scham grösser die mich bewogen hat zu gehen, sondern die Angst vor Schmerzen und die Angst davor irgendwann vielleicht keine Frontzähne mehr zu haben weil diese wegzufaulen drohten. Und als Frau ohne Zähne ? Nein danke !
Das wäre mein persönlicher Horror gewesen.


LG

Sabrina
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spider

Moderator

Beiträge: 1 551

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Niedersachsen

8

Montag, 7. Juli 2003, 01:28

@ der du DA warst: ...hej, ich freu mich sehr mit dir,daß du alles so gut geschafft hast!! :]

dein bericht ist die zeit des lesens wirklich wert!
du beschreibst auch einige "typische" verhaltensweisen,die für die meisten (wirklichen) angsthasen so zutreffen: die scham kann ein riesiger hemmschuh sein, den weg zum za zu bewältigen und IMMER stellt man sich es vorher weitaus fantastischer vor, als eine behandlung (heutzutage) jemals ablaufen kann!
danke! ich glaube, du hast mit deinen guten erfahrungen wirklich vielen hier mut machen können.

ps: ...und ich wünsche dir sehr, daß es für dich auch weiterhin nur gutes gibt, was das "zu-dem-typen-dahin-müssen" angeht ! :] :D

@ scared: ... :D irgendwie kann ich mich nicht des eindruckes erwehren,daß es so gar nicht mehr lange dauern wird, bis wir von dir auch ähnliche erlebnisse berichtet bekommen! da bin ich ganz zuversichtlich, liebe scared !!! :] :] :]

:D spider :D
Spider

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, dass etwas anderes
wichtiger ist als die Angst. (Ambrose Red Moon)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »spider« (7. Juli 2003, 01:29)

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Scared

unregistriert

9

Montag, 7. Juli 2003, 08:22

Ich hoffe, ich hoffe spider. Manchmal bin ich sogar soweit das ich mir denk schei**** auf den Beratungstermin, gehn wir doch gleich zur Sache. :D Aber es dauert halt alles seine Zeit. :]
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zoe

Erfahrungspunkte:

Beiträge: 2 324

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Bayern

10

Montag, 7. Juli 2003, 10:33

Ich bin jetzt schon die ganze Zeit am Überlegen, warum es einem so schwer fällt über genau diese Angst zu reden ... Wenn jemand Angst vor beispielsweise Spinnen hat, dann läßt sich das a) im Zusammenleben eh fast nicht verbergen und b) geht derjenige im Regelfall wohl offen damit um - zumindest sind das meine Erfahrungen.

Allgemein ist wohl das Zugeben von Ängsten nicht so das Problem, aber gerade diese Angst vor (Arzt-) Behandlungen stellt wohl viele vor ein riesiges Problem. Gedanklich bin ich so weit gekommen, dass es einerseits eine sehr intime Angst ist, und vielleicht auch beim Gegenüber Erstaunen und Unverständnis hervorrufen könnte, so in die Richtung wie "ich war da" es beschrieben hat, dass wir also unseren äußeren Schein waren wollen. Also das das Zugeben an und für sich schon unser "Image" ankratzen würde.

Tja, am meisten bin ich aber davon überzeugt, dass es den Faktor trifft, dass man den Partner gar nicht wissen lassen will, wie es im Mund selber aussieht. Ganz viele hier haben ja die Kurve mit dem Erstbesuch wieder "gekratzt", als der Frontbereich, also der sichtbare Bereich, Schäden hatte. Irgendwo stellt man sich da der Angst wohl leichter, wenn man merkt, dass man eben diese Angst und die damit eventuelle lange Behandlungs"pause" nicht mehr verbergen kann. Hmm, also auch irgendwie auch Scham vor dem Partner bzw. dem Umfeld.

Aber eine richtige Erklärung finde ich einfach auch nicht. Ich bin mir sehr sicher, dass der andere zumindest versucht es zu verstehen .... aber einfach ist das "Outing" mit Sicherheit nicht. Und einen Unterschied zwischen Mann und Frau kann ich da auch nicht finden. Vielleicht haben Männer noch mehr Bammel es zu zugeben als Frauen, weil sie ja wirklich schon gerne den starken Kerl spielen wollen, und sie es als Schwäche ansehen, wenn der starke Kerl dann doch eine offensichtliche Schwachstelle hat .. aber die Männer werden wir woh nie ändern können :D ...

Lieber "ich war da" dortgewesener, ich fand deinen Bericht auch ganz fabelhaft. Du machst damit bestimmt ganz vielen sehr Mut und ich freue mich mit dir, dass du es so super hinbekommen hast. Gratulation !!

Liebe Grüße von zoe
Liebe Grüße von *** zoe ***

Nicht das, was wir nicht wissen, bringt uns zu Fall, sondern das, was wir fälschlicherweise zu wissen glauben. (Mark Twain)
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