Mir ging es nach meinem ersten Termin ganz super! Ich muß dazu sagen, daß ich 25 Jahre nicht beim ZA war! Ich hatte Panikattacken, Herzrasen, schämte mich in Grund und Boden! Jahrelang habe ich mich mit meinem Zahnzustand, abgebrochenen Zähnen, immer wiederkehrenden Zahnschmerzen, Entzündungenund meiner entsetzlichen Angst herumgeplagt. Ursache für diese Angst war erstens ein sehr unfreundlicher Dorfzahnarzt, der so blind war, daß er mir als Kind die falschen Zähne gebohrt hat, seine Frau, sie wr seine Assistentin, hat ihn dann darauf hingewiesen, daß er falsch bohrt! Meine Zähne waren schon mit 19 Jahren im Eimer.
Der nächste Zahnarzt war ein Zyniker, schimpfte immer nur mit mir herum, ich solle meine Zähne besser putzen. Tat ich aber! Putze dreimal gründlich am Tag, spülte sie. Immer wieder fielen Füllungen raus, mancher Zahn bestand nur noch aus Füllung. Er bohrte sämtliche Füllungen wieder raus, ersetzte sie alle mit Amalgam. Er baute auch meine Frontkronen, Vollkeramik. Haben 25 Jahre gehalten.
Mit 22 war ich das letzte Mal bei ihm. Er raste wieder zwischen seinen drei Behandlungsstühlen hin und her, wieder nichts als dumme, arrogante Sprüche.
Eigentlich wollte ich ganz normal weiter zu den Kontrollen gehen. Erst war da nur ein Unbehagen, zu diesem Zahnarzt zurück zu gehen. Dann traute ich keinem mehr. Putzte weiter gründlich meine Zähne. Ich vergaß den Zahnarzt. Dann fiel die erste große Füllung im Backenzahn raus. Nach einigen Jahren die zweite. Die Scham wuchs. Damals hätte ich aber noch gehen können. Irgendwann Schmerzen im dritten Zahn. Angst, Scham, Panik. Ich erspare Euch den weiteren Leidensweg, den kennt Ihr alle. Einige Zähne gingen im Laufe der Jahre drauf.
Vor sechs Wochen zerbrach dann eine Krone im Frontzahnbereich. Es sah asozial aus und schmerzte. Man konnte das abgebrochene Stück wieder über den beschliffenen Zahn schieben, aber nun war Schluß, ich wußte, so geht es nicht weiter. Ich hatte entsetzliche unkontrollierbare Angstattacken, weinte nur noch nachts, konnte nicht mehr schlafen. Hatte Angst, das Kronenstück zu verschlucken. Unaussprechliches Leid.
Dann habe ich mir bei meiner Hausärztin eine Narkosetauglichkeitsbescheinigung geholt, selbst dort hatte ich Herzrasen, Puls 105! Bin dann nach V. in Bulgarien gefahren, dort gibt es eine Zahnklinik, die auf Angstpatienten spezialisiert sind. Dort gibt es eine TIVA (intravenöse Narkose aus Schmerzmittel und Schlafmittel). Im Hotel, vor dem ersten Termin, hatte ich wieder so Panik, daß ich nicht mal in der Klinik anrufen konnte. Ich wußte ja die Uhrzeit gar nicht. Schließlich rief die Klinik bei mir an. Sie hatten mich ganz einfach ausschlafen lassen! Dann sagte ich, daß ich sofort kommen will.
Die Ärztin hatte viel Zeit für mich, sie hörte mir sehr gut zu. Sie hatte ganz liebe Augen und war sehr ruhig. Sie meinte, ich könne ganz einfach aufstehen und gehen, wenn ich wollte. Ich erzählte ihr einfach alles, wie es war, schilderte ihr meine ganze Angst und Scham. Und ich gestand ihr, daß ich die kaputte Krone geklebt hätte! "Aber nicht mit Sekundenkleber, hoffe ich?" fragte sie. Ich verneinte. "Was haben sie den genommen?" Ich wand mich wie ein Wurm auf dem Stuhl herum und meinte dann: "Zweikomponenten-Kleber". Sie nahm es mit Humor, lachte und meinte: "Nun, da haben sie ja eine ganz neue Methode erfunden! Haben sie denn keine Schmerzen?" Als ich nun schließlich bereit war, öffnete ich den Mund. Sie nahm ganz sachlich den Zustand auf, dann ging es zur Tomographie. Danach gab es in dem wunderschönen Wartezimmer erst einmal einen Kaffee. Ich war da schon unheimlich froh und erleichtert. Dann haben wir zusammen die Tomographiebilder angesehen, da konnte ich meinen eigenen Schädel ganz genau betrachten. Spannend. Schon war ich neugierig. Die Ärztin hat dann alles ganz genau besprochen, hat gemeint, drei Zähne müßten definitiv raus (klar, die waren sowieso abgebrochen) , die anderen beiden könnte man evtl. retten, drei Füllungen müßten erneuert werden, und die vier Frontkronen. später mußten aber doch insgesamt fünf Zähne gezogen werden. War mir aber egal, weil ich den ganzen Mist, der Ärger macht, raushaben wollte. Sind immer noch 27 Zähne im Mund.
Montag drauf war dann die Vollnarkose. Ich hatte dann einen sehr netten deutschen Zahnarzt, der alles ganz genau erklärte, ich war dann dreieinhalb Stunden in Narkose. Ich habe überhaupt nicht gemerkt, daß ich eingeschlafen war. Ich dachte, komisch, ich schlafe noch gar nicht, aber die arbeiten schon. Dabei machten sie nur die letzten Handgriffe. Ich spürte gar nichts. Dann kamen die Provisorien. Dann jeden Tag ein Termin, wegen der Füllungen. Die machte eine völlig süße und mitfühlende bulgarische Zahnärztin, die war total lieb.
Wißt ihr, wie weit ich jetzt schon bin? Ich habe mir freiwillig zwei kleine, häßliche Amalgamfüllungen ohne Betäubung rausbohren lassen. Tat gar nicht weh! Jetzt habe ich schöne neue weiße Füllungen. Wenn mir das jemand vor zwei Monaten erzählt hätte, dem hätte ich einen Vogel gezeigt! Donnerstag kamen die neuen Kronen rein, sie sind aus Zirkon, sehen aus wie ganz normale Zähne, leicht durchscheinend. Der Zahnarzt hat sie mir ein wenig kleiner gemacht als die vorherigen "Blöcke" (ich hatte Probleme, die Oberlippe über den Zähnen zu schließen), außerdem ist das Material aufgrund seiner Stabilität viel dünner und angenehmer im Mund. Mit dem Zahnarzt konnte man richtig viel lachen. Er hat mich an allen Entscheidungen beteiligt. Wir hatten die Abmachung, daß ich die linke Hand heben kann, wenn ich eine Pause brauche. Den letzten Zahn hat er mir dann bei normaler örtlicher Betäubung gezogen, wir hatten gemeinsam entschieden, ihn zu ziehen. Das war gut so, der Entzündungsherd war nämlich auf der Tomographie nicht sichtbar, weil hinter einer Wurzel verborgen.
Jetzt müssen die Knochen wachsen, dann bauen mir meine süßen Zahnärzte Imlantate und Brücken. Im Sommer geht es wieder an's Schwarze Meer, es hat nachts immer so beruhigend gerauscht.
Wie geht's mir jetzt? Phantastisch! Weil die Entzündungsherde aus meinem Mund raus sind, habe ich kein Kopfweh mehr. Meine Gelenk- und Nackenschmerzen sind weg. Ich schlafe eine Stunde weniger pro Nacht. Der Puls bewegt sich bei 75, der Blutdruck ist gesunken. Meine Mundhöhle ist sauber, da gammelt nichts mehr, und mein Gesicht ist viel dünner geworden, weil mein Hals nicht mehr geschwollen ist.
Freue mich auf meine neuen, schönen Beißerchen. Meine Seele ist befreit!
Mein Tip am alle Angstpatienten: Sprecht ganz offen im Vorfeld mit dem Zahnarzt über Euer Problem. Sucht Euch einen Zahnarzt, der wirklich lieb ist. und Erfahrung mit Angstpatienten hat. Wenn ein Zahnarzt in der Praxis einen blöden Spruch macht, wird er Euch nicht gut behandeln. Keiner muß sich schlecht behandeln lassen, vor allem niemand, der mit einer Angst kämpft und es geschaftt hat, sie zu überwinden. sollte ich nochmal einem solchen Zahnarzt begegnen, werde ich aufstehen und gehen. Und ihm vorher noch gehörig die Meinung sagen! Es geht auch ganz anders!
25 J. kein ZA!
03/07 4 kaputte Kronen durch Zirkoniumk. ersetzt, 5 Ex 1 WZB 3 Füll. wg. Karies 2 weiße Füll. wg. Optik. Angst überwunden!
09/07 fünf Implantate, 12/07 fünf Kronen auf Implantate
05/08 Amalgam durch Inlays ersetzen lassen
FERTIG! :D
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Harfe1« (20. April 2007, 14:30)