Dann will ich wohl auch mal:
So genau weiß ich das eigentlich garnicht. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind sehr gerne zum ZA gegangen bin. Nach dem Ziehen der Milchzähne (wurde halt eben so gemacht, warum weiß ich nicht???) habe ich auch immer was aus der Kiste raussuchen dürfen

und das fand ich halt ganz toll. Vor dem Ziehen gabs eine Vereisung - hat man halt nix von gemerkt.
Irgendwann hörte das dann halt auf mit der Vereisung. Die ZÄ (war eine Frau) war wohl der Meinung, ich wäre jetzt alt genug um das so zu machen. Da tats dann weh und das war mein letzter Milchzahn, den ich mir hab ziehen lassen.
Meine Eltern hatten einen eigenen Betrieb und waren immer sehr beschäftigt. Ich kann mich nicht daran erinnern, eine Zahnbürste besessen zu haben oder das jemand mal darauf geachtet hat, ob wir Geschwister uns auch die Zähne putzen. Meine kleine Schwester hatte Zahnpasta mit Erdbeergeschmack. Ich durfte die aber nicht benutzen, weil ich war ja schon älter.
Dann kamen irgendwann mal die Schmerzen, weil die Löcher schon etwas tiefer gingen und meine Eltern machten einen Termin bei dem ZA meines Vaters - leider einer von der alten Garde

Bohren ohne Betäubung ("ist gleich fertig...!") und man sackte im Stuhl immer tiefer, der ZA mit dem Bohrer hinterher. Da meine Eltern keine Zeit hatten, mußte ich auch immer allein hin.
Ich war dann so etwa 10 oder 11 Jahre alt, da hatte ich so starke Schmerzen, dass ich es nicht mehr aushalten konnte und wieder mußte ich zum Schlächter gehen. Da der Zahn inzwischen total unter Eiter stand, half auch keine Betäubung mehr - ich habe an einem Samstag-Nachmittag allein im Behandlungsstuhl gesessen, mit einem total schlecht gelaunten ZA - weil war ja sein Wochenende und er ist nur meinem Vater zuliebe extra für mich gekommen (das durfte ich mir die ganze Zeit anhören!!!) und hat mir eine Betäubungsspritze nach der anderen reingejagt. Als ich dann wieder zu mir kam (hatte wohl einen leichten Kreislaufkollaps) waren meine Eltern da und der ZA tobe und brüllte, ich solle das nächste Mal gefälligst früher kommen und wäre alles meine Schuld und so was.
Aber der Zahn war draußen.
Mit 13 oder 14 habe ich dann mal wieder Schmerzen gehabt und bin mal zu einem anderen ZA gegangen. Die hat dann den Zahn aufgebohrt und eine "Probefüllung" reingemacht, was mir tagelange Schmerzen verursacht hat. Als die Schmerzen endlich aufhörten, hatte ich meinen nächsten Termin - und wieder "Probefüllung - tagelang Schmerzen" das ging dann so 3 oder 4 mal. Beim letzten Mal Probefüllung bin ich aus dem total überfüllten Wartezimmer abgehauen und wurde dort nicht mehr gesehen.
Erst als ich 18 war und mal wieder die totalen Schmerzen hatte, mußte ich (natürlich) wieder zum ZA-Notdienst. Und ich bin fast umgefallen: Da war ein ZA, der hat überhaupt garnicht erst angefangen, sondern mich gefragt, warum ich denn so zittern würde und heulen und ich wäre ja total verkrampft und ich solle doch mal erzählen. Und dann kam wohl alles mal raus. Und der ZA hat nix weiter gemacht, als mir starke Schmerzmittel gegeben und mich für den nächsten Tag nochmal bestellt. Und ich solle ihn anrufen, egal wann, wenn die Schmerzen doch so doll wären, wenn ich meine, er solle ran. Am nächsten Tag war ich dann auch bei ihm und er hat wieder nur erzählt. Von sich, dass er mit 16 total fertige Zähhe hatte, weil er auch nie beim ZA war und er einen total netten ZA gefunden hatte und so beeindruckt war, dass er beschloß, ZA zu werden. Und er kenne sich mit meinen Schmerzen aus, weil ihm ging es ja nicht anders.
Wenn dieser ZA gebohrt hat, hörte er sofort auf, wenn es weh tat und gab Spritzen oder irgendwas zum Betäuben. Ich hatte totales Vertrauen, wir haben uns geduzt und das war total gut. Wir hatten auch die gleichen Hobbys und tauschten und während der Behandlung aus, meine Angst war zwar noch da, aber durch die ruhige Stimme des Arztes wurde auch ich viel ruhiger.
Dieser ZA hat mir dann mein komplettes Gebiss saniert und schick gemacht und nie kam auch nur ein Vorwurf.
Leider ist er dann in Rente gegangen und hat die Praxis geschlossen. Beim Nachfolger war ich dann auch mal - war aber nicht gerade der Kick.
Und das ist nun schon 20 Jahre her - und seitdem bin ich auf der SUche nach einem ZA, der meinem früheren "Retter" wenigstens annährend das Wasser reichen kann. Ich habe wieder eine Angst aufgebaut, dass ich nur dann gehe, wenn Schmerzen da sind. Dann ist es meist zu spät, der Zahn muß gezogen werden.
Leider habe ich bis jetzt immer die Erfahrung gemacht, dass die Ärzte mein Vertrauen mißbraucht haben, indem z.B. vor 3 Jahren einmal, (als der ZA versuchte, in die Wurzel ein Implantat einzuschrauben und das nicht ging) und dann der Zahn gezogen werden mußte und sich herausstelle, dass die Wurzel nur halb vorhanden war - dieser Wurzelrest auch noch den Sprechstundenhilfen als Anschauungsmaterial vorgelegt wurde (war mir unendlich peinlich, weil die Anmeldung mit den Hilfen vom Wartebereich nicht abgetrennt ist und voll einsehbar ist) und laut herausposaunt wurde, ob sowas schon mal gesehen wurde. Ich bin aus der Praxis gestürmt und wurde dort nicht mehr gesehen. War schon Scheiße.
Und das war mal wieder mein letzter Besuch.
Ich glaub- das wars so.
Fillina